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König

König von Jordanien ist seit dem 7. Februar 1999 Abdullah II. bin al-Hussein aus der Dynastie der Haschemiten. Er ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber, ernennt Regierung und Senat und hat laut Verfassung weitreichende Befugnisse. Königin ist Rania, Thronfolger ist Kronprinz Hussein, der 2023 Prinzessin Rajwa heiratete.

Jordanische Flagge weht über der Altstadt von Amman bei Abendlicht
Symbolbild: Jordanische Flagge über Amman

Kaum ein Gesicht ist in Jordanien so präsent wie das des Königs: Sein Porträt hängt in Behörden, Hotels und Geschäften. Diese Seite stellt Abdullah II. sachlich vor – Herkunft, Weg auf den Thron, Familie, Außenpolitik und die Kontroversen seiner Amtszeit. Wie Regierung, Parlament und Justiz zusammenspielen, erklärt die Seite zum politischen System Jordaniens.

Auf einen BlickKönig Abdullah II.
Vollständiger NameAbdullah II. bin al-Hussein
Geboren30. Januar 1962 in Amman
König seit7. Februar 1999 (feierliche Inthronisierung 9. Juni 1999)
Vorgängersein Vater König Hussein (regierte 1952–1999)
DynastieHaschemiten, nach Familientradition Nachfahren des Propheten Mohammed
EhefrauKönigin Rania (Heirat 10. Juni 1993)
KinderKronprinz Hussein, Prinzessin Iman, Prinzessin Salma, Prinz Hashem
KronprinzHussein bin Abdullah (geboren 1994, Kronprinz seit 2. Juli 2009)

Wer ist der König von Jordanien?

Abdullah II. ist der vierte König des 1946 unabhängig gewordenen Jordanien. Er wurde am 30. Januar 1962 in Amman als ältester Sohn von König Hussein und dessen zweiter Ehefrau Prinzessin Muna geboren, einer gebürtigen Britin. Seine Schulzeit verbrachte er teils in Amman, teils in Großbritannien und an der Deerfield Academy in den USA.

Seine Laufbahn war militärisch geprägt. 1980 begann er die Offiziersausbildung an der britischen Militärakademie Sandhurst und diente danach in der britischen Armee. Es folgten ein einjähriges Studienprogramm zu Nahost-Fragen am Pembroke College in Oxford (1982) und ein Studium an der Walsh School of Foreign Service der Georgetown University (1987). In den jordanischen Streitkräften diente er in Heer und Luftwaffe, unter anderem mit einer Ausbildung als Kampfhubschrauberpilot, wurde 1994 Kommandeur der Spezialkräfte und 1998 Generalmajor. Bis kurz vor seiner Thronbesteigung galt er nicht als künftiger König, sondern als Offizier.

Wie kam Abdullah II. 1999 auf den Thron?

Abdullah war als Kleinkind bereits Thronfolger, doch 1965 übertrug König Hussein den Titel an seinen Bruder Prinz Hassan, der ihn über drei Jahrzehnte trug. Erst im Januar 1999, als der schwer krebskranke Hussein aus den USA zurückkehrte, änderte er die Thronfolge: Am 24. Januar 1999 ernannte er Abdullah zum Kronprinzen. Zwei Wochen später, am 7. Februar 1999, starb Hussein, und Abdullah wurde König. Die feierliche Inthronisierung folgte am 9. Juni 1999.

Zum Kronprinzen bestimmte Abdullah zunächst seinen Halbbruder Hamzah, wie es sich der verstorbene Vater gewünscht hatte. Im November 2004 entzog er ihm den Titel; seit dem 2. Juli 2009 ist sein eigener Sohn Hussein offiziell Kronprinz. Häufig verwechselt werden dabei zwei Generationen: Nicht Abdullah, sondern sein Vater Hussein wurde 1952 als Jugendlicher König, nachdem König Talal aus gesundheitlichen Gründen abgesetzt worden war. Mehr zu diesen Jahrzehnten lesen Sie im Überblick zur Geschichte Jordaniens.

Wer sind die Haschemiten?

Die Haschemiten sind eine arabische Adelsfamilie aus dem Hedschas, die ihre Abstammung über Fatima und Ali auf den Propheten Mohammed zurückführt; nach dieser Familientradition gehört Abdullah II. der 41. Generation an. Über Jahrhunderte stellten die Haschemiten die Scherifen von Mekka. Scherif Hussein bin Ali rief 1916 den Arabischen Aufstand gegen das Osmanische Reich aus, den unsere Seite zum Ersten Weltkrieg in Jordanien beschreibt.

Sein Sohn Abdullah I. wurde 1921 Emir von Transjordanien und 1946 erster König des unabhängigen Staates; 1951 wurde er in Jerusalem ermordet. Es folgten König Talal (1951–1952), König Hussein (1952–1999) und schließlich Abdullah II. Die Abstammung verleiht dem Königshaus religiöse Legitimität, die in der Innen- und Außenpolitik bis heute eine Rolle spielt.

Welche Befugnisse hat der König laut Verfassung?

Die Verfassung von 1952 macht den König zum Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine. Er ernennt den Premierminister und die Regierung, beruft alle Senatoren, bestätigt Gesetze und kann das Abgeordnetenhaus auflösen. Seit 2016 besetzt er zudem Ämter wie Kronprinz, Generalstabschef, Geheimdienstchef und die Richter des Verfassungsgerichts ohne Gegenzeichnung der Regierung; 2022 kamen etwa Großmufti und Chef des Königlichen Hofs hinzu.

Der König ist nach der Verfassung unverantwortlich und unantastbar, politisch haftet die Regierung. Befürworter sehen in der starken Krone einen Stabilitätsanker, Kritiker wie Freedom House eine Konzentration der Macht, die das gewählte Parlament schwächt. Die einzelnen Verfassungsänderungen und die Wahlrechtsreform von 2022 erläutert die Seite zum politischen System.

Wer gehört zur Königsfamilie?

Abdullah heiratete am 10. Juni 1993 Rania al-Yassin. Die 1970 in Kuwait geborene Königin stammt aus einer Familie palästinensischer Herkunft aus Tulkarem und Nablus, studierte Betriebswirtschaft an der Amerikanischen Universität Kairo und arbeitete bei der Citibank und bei Apple in Amman. Seit dem 22. März 1999 trägt sie den Titel Königin. Bekannt ist sie vor allem für Initiativen zu Bildung und Schulsanierung wie die Jordan River Foundation (1995) und das Programm „Madrasati“, international für ihre Auftritte, in denen sie westlichen Klischees über die arabische Welt widerspricht.

Das Paar hat vier Kinder: Kronprinz Hussein, Prinzessin Iman, Prinzessin Salma und Prinz Hashem. Kronprinz Hussein, geboren am 28. Juni 1994, studierte internationale Geschichte an der Georgetown University und absolvierte 2017 Sandhurst; 2015 leitete er als bisher jüngste Person eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Am 1. Juni 2023 heiratete er die saudische Architektin Rajwa Al Saif. Am 3. August 2024 kam ihre Tochter Prinzessin Iman zur Welt, das erste Enkelkind des Königs. Weil die Krone nach der Verfassung nur in männlicher Linie vererbt wird, ändert ihre Geburt nichts an der Thronfolge.

Gut zu wissen Das Königshaus genießt in Jordanien hohes Ansehen, und herabsetzende Äußerungen über den Monarchen können strafrechtliche Folgen haben. Als Gast sollten Sie Gespräche über die Königsfamilie zurückhaltend führen und Porträts oder Fahnen respektvoll behandeln. Viele Jordanier erzählen dagegen gern und mit Stolz von Begegnungen mit dem König.

Was bedeutet die Hüterschaft über die heiligen Stätten in Jerusalem?

Das jordanische Königshaus beansprucht seit der Zeit von Scherif Hussein bin Ali die Rolle des Hüters der islamischen und christlichen heiligen Stätten in Jerusalem, insbesondere des Haram al-Scharif mit Al-Aqsa-Moschee und Felsendom. Die jordanische Religionsstiftung (Waqf) verwaltet das Gelände bis heute, auch nachdem Israel Ostjerusalem 1967 besetzt hat. Der Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel von 1994 erkennt eine besondere Rolle Jordaniens an diesen Stätten an.

Am 31. März 2013 unterzeichneten Abdullah II. und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Amman eine Vereinbarung, die diese Hüterschaft bekräftigt und das gesamte Areal des Haram al-Scharif als Al-Aqsa definiert. Israel ist nicht Vertragspartei und kontrolliert die Sicherheit vor Ort; Zugangsregeln und Besuche jüdischer Gruppen auf dem Tempelberg führen immer wieder zu diplomatischen Spannungen. Für den König ist die Hüterschaft ein zentraler Teil seiner religiösen und politischen Legitimation.

Welche Außenpolitik verfolgt der König?

Abdullah II. führt die westlich orientierte Linie seines Vaters fort: enge Bindung an die USA und Europa, Festhalten am Friedensvertrag mit Israel, gute Beziehungen zu den Golfstaaten und eine Vermittlerrolle in der Region. 2004 initiierte er die „Amman-Botschaft“, eine Erklärung muslimischer Gelehrter gegen Extremismus. Nach der Ermordung des jordanischen Piloten Muath al-Kasasbeh durch den sogenannten Islamischen Staat 2015 verstärkte Jordanien seine Luftangriffe im Rahmen der internationalen Koalition.

Seit dem Gaza-Krieg ab Oktober 2023 bestimmt der Nahostkonflikt die Agenda. Der König forderte wiederholt einen Waffenstillstand und eine Zwei-Staaten-Lösung, Jordanien warf Hilfsgüter über Gaza ab, und 2025 lehnte er bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington Pläne ab, Palästinenser aus Gaza nach Jordanien umzusiedeln. In der regionalen Eskalation seit 2026 fängt die jordanische Luftabwehr nach eigenen Angaben immer wieder Raketen und Drohnen ab, die den Luftraum verletzen.

Welche Kontroversen gab es in seiner Amtszeit?

Die schwerste innenpolitische Krise war die sogenannte Hamzah-Affäre. Im April 2021 wurde Prinz Hamzah unter Hausarrest gestellt; die Behörden warfen Personen aus seinem Umfeld vor, mit ausländischer Unterstützung die Stabilität des Landes gefährden zu wollen. Hamzah wies dies in Videobotschaften zurück, wurde aber nie angeklagt. Nach Vermittlung durch Prinz Hassan sicherte er dem König seine Loyalität zu. Das Staatssicherheitsgericht verurteilte im Juli 2021 den früheren Hofchef Bassem Awadallah und Scharif Hassan bin Zaid nach einem nichtöffentlichen Verfahren zu je 15 Jahren Haft; die Verteidigung kritisierte den Prozess als unfair, die Anklage wies das zurück. Im April 2022 legte Hamzah seinen Prinzentitel ab, im Mai 2022 schränkte der König dessen Kontakte und Bewegungsfreiheit ein.

Im Oktober 2021 berichteten die „Pandora Papers“ eines internationalen Journalistenkonsortiums, der König habe über Briefkastenfirmen 14 Immobilien in den USA und Großbritannien im Wert von über 100 Millionen US-Dollar erworben. Der Königliche Hof erklärte, die Käufe seien privat finanziert und aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht worden, öffentliche Gelder seien nicht verwendet worden; die Berichte enthielten Verzerrungen. Einen strafrechtlichen Vorwurf erhoben die Recherchen nicht. Hinzu kommt die fortlaufende Debatte über die Verfassungsänderungen von 2016 und 2022, die die Rechte der Krone erweiterten.

Häufige Fragen zum König von Jordanien

Wie lange regiert Abdullah II. schon?

Abdullah II. ist seit dem 7. Februar 1999 König und damit seit mehr als 27 Jahren im Amt. 2024 feierte Jordanien das 25-jährige Thronjubiläum. Sein Vater Hussein hatte mit fast 47 Jahren noch deutlich länger regiert.

Kann eine Frau in Jordanien Königin und Herrscherin werden?

Nein. Die Verfassung sieht die Thronfolge nur in männlicher Linie der Nachkommen von König Abdullah I. vor. Die Ehefrau des Königs trägt den Titel Königin, hat aber keine verfassungsrechtlichen Befugnisse.

Warum heißt das Land Haschemitisches Königreich?

Der Name verweist auf die herrschende Familie der Haschemiten, benannt nach Haschim, dem Urgroßvater des Propheten Mohammed. Die offizielle Staatsbezeichnung „Haschemitisches Königreich Jordanien“ gilt seit Ende der 1940er-Jahre.

Wer würde den König im Notfall vertreten?

Ist der König im Ausland oder verhindert, nimmt in der Regel der Kronprinz als Regent seine Aufgaben wahr. Seit 2016 darf der König den Regenten ohne Gegenzeichnung der Regierung selbst bestimmen.

Welche Rolle spielt Prinz Hassan heute?

Prinz Hassan, der Onkel des Königs, war von 1965 bis 1999 Kronprinz. Heute engagiert er sich vor allem im interreligiösen Dialog und in Stiftungen und trat 2021 als Vermittler in der Hamzah-Affäre auf.

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Quellen und weiterführende Informationen: Royal Hashemite Court: Custodianship over Holy Sites, BBC: Prinz Hamzah legt Prinzentitel ab (2022), Al Jazeera: Pandora Papers und das jordanische Königshaus