Jordaniens Flora ist weit reicher, als die Wüstenbilder vermuten lassen: Rund 2.500 Gefäßpflanzenarten sind nachgewiesen, etwa 100 davon kommen nur hier vor. Vier Vegetationszonen treffen aufeinander, von Eichen- und Kiefernwäldern im Norden bis zu Akazien im Grabenbruch. Nationalblume ist die Schwarze Iris, die im Frühjahr blüht.

Wer Jordanien nur aus Petra und dem Wadi Rum kennt, verbindet das Land mit Fels und Sand. Tatsächlich wachsen auf kleiner Fläche Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, den Steppen Asiens, der Arabischen Wüste und dem tropischen Afrika. Diese Seite erklärt die Vegetationszonen, die letzten Wälder, die Frühjahrsblüte und die Bedrohungen. Wie Pflanzen und Tiere zusammenleben, beschreibt die Seite zur Tierwelt Jordaniens.
| Auf einen Blick | Pflanzenwelt Jordaniens |
|---|---|
| Gefäßpflanzen | rund 2.500 Arten, etwa 1 Prozent der Weltflora |
| Endemische Arten | rund 100 |
| Arten mit Heilwirkung | 485 |
| Gefährdung | 375 Arten selten oder sehr selten, 150 bedroht, 75 gelten als verschollen |
| Vegetationszonen | mediterran, irano-turanisch, saharo-arabisch, sudanisch |
| Natürlicher Wald | weniger als 1 Prozent der Landesfläche |
| Nationalblume | Schwarze Iris (Iris nigricans) |
| Beste Zeit für die Blüte | Februar bis April, je nach Höhenlage |
Wie artenreich ist die Flora?
Welche Vegetationszonen gibt es?
Die Schwarze Iris
Wo wachsen Wälder?
Pflanzen in der Wüste
Wann blüht Jordanien?
Heil- und Nutzpflanzen
Was bedroht die Flora?
Wie artenreich ist Jordaniens Pflanzenwelt?
Sehr artenreich, gemessen an der Fläche. Laut dem Länderprofil der Biodiversitätskonvention (CBD) sind in Jordanien rund 2.500 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen – etwa ein Prozent aller bekannten Arten weltweit, auf einer Fläche, die nur wenig größer ist als Österreich. Rund 100 davon sind endemisch, wachsen also nirgendwo sonst. Die Arten verteilen sich auf etwa 150 Familien und 700 Gattungen.
Auffällig ist, wie wenige Nadelbäume es gibt: Nur drei Nacktsamer kommen natürlich vor, die Aleppokiefer, die Mittelmeer-Zypresse und der Phönizische Wacholder. Dazu kommen einige Farne und rund 150 Pilz- und Flechtenarten. Ältere Darstellungen, Jordanien sei arm an Pflanzen, sind damit widerlegt. Richtig ist, dass der Großteil des Landes trocken ist und die Vielfalt sich auf das Bergland im Westen und auf Sonderstandorte wie Oasen, Schluchten und Quellen konzentriert.
Welche Vegetationszonen gibt es in Jordanien?
Jordanien hat Anteil an vier pflanzengeographischen Regionen, eine Besonderheit für ein so kleines Land. Entscheidend sind Höhe und Niederschlag: Im Nordwesten fallen bis zu 800 Millimeter Regen im Jahr, im Osten und Süden oft weniger als 100 Millimeter.
| Zone | Lage | Typische Pflanzen |
|---|---|---|
| Mediterran | nördliches und westliches Bergland, etwa Ajloun, Jerash, Salt | Eichen, Aleppokiefer, Terebinthe, wilde Olive, Pistazien, Orchideen |
| Irano-turanisch | Steppengürtel östlich und südlich des Berglands | Zwergsträucher wie Wermut, Gräser, im Süden Wacholder |
| Saharo-arabisch | Ostwüste und Süden, rund zwei Drittel des Landes | spärliche Sträucher, Tamarisken, Salz- und Sandpflanzen |
| Sudanisch | Grabenbruch am Toten Meer und im Wadi Araba | Schirmakazien, Christusdorn und andere Arten aus dem tropischen Afrika |
Das sudanische Element verdankt der Grabenbruch seiner Tieflage und Wärme: Am Toten Meer und im Wadi Araba wachsen Pflanzen, deren nächste Verwandte in Ostafrika vorkommen. Das Dana-Biosphärenreservat reicht vom Hochplateau bei etwa 1.500 Metern bis unter den Meeresspiegel und durchquert dabei mehrere dieser Zonen. Laut RSCN wurden dort mehr als 890 Pflanzenarten erfasst, rund ein Drittel der Flora des Landes, darunter drei für die Wissenschaft neue Arten.
Was hat es mit der Schwarzen Iris auf sich?
Die Schwarze Iris (Iris nigricans) ist die Nationalblume Jordaniens. Sie trägt große, fast schwarze bis tief violette Blüten von 12 bis 15 Zentimetern Durchmesser auf rund 35 Zentimeter hohen Stängeln und blüht im Frühjahr. Die Art ist in Jordanien endemisch und wächst an steinigen, sonnigen Hängen des Berglands, bekannt sind Vorkommen unter anderem um Madaba und im Gouvernement Karak.
Die Iris gilt als gefährdet. Bedroht wird sie durch Bebauung, Beweidung und das Ausgraben der Knollen. In Jordanien kommen acht weitere Irisarten vor, die meisten ebenfalls selten; im Waldreservat Ajloun etwa wachsen die Umm-Qais-Iris und die Nazareth-Iris. Als Symbol taucht die Schwarze Iris auf Briefmarken, Logos und in der Kunst auf; ihr arabischer Name lautet „As-Sawsana as-Sauda“.
Wo wachsen in Jordanien noch Wälder?
Natürliche Wälder bedecken laut RSCN weniger als ein Prozent der Landesfläche, vor allem im nördlichen Bergland. Einst war der Westen stärker bewaldet; jahrhundertelanger Holzeinschlag für Bau und Brennholz sowie Beweidung haben die Bestände stark verkleinert. Aufforstungen nördlich von Amman zeigen inzwischen Wirkung.
- Ajloun: Das 1987 gegründete Waldreservat liegt in rund 600 bis 1.100 Metern Höhe und schützt einen typischen Wald aus immergrünen Eichen mit Terebinthen und Ahorn. 2025 wurde es von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Wanderwege führen durch den Wald und zu Dörfern der Umgebung; Ajloun liegt gut erreichbar zwischen Jerash und Irbid.
- Dibbeen: Das Reservat bei Jerash, seit 2004 geschützt und rund 8,5 Quadratkilometer groß, bewahrt einen Aleppokiefernwald am südöstlichsten Rand des natürlichen Verbreitungsgebiets dieser Art weltweit. Erfasst sind 517 Pflanzenarten, darunter zehn Endemiten und seltene Orchideen.
- Dana: Hier steht der älteste und größte natürliche Zypressenbestand Jordaniens, an den Hängen oberhalb des Dorfes.
Wie überleben Pflanzen in Jordaniens Wüste?
Mit Sparsamkeit und Timing. Der größte Teil Ostjordaniens ist Hamada, eine steinige Hochfläche, im Nordosten auch schwarzes Basaltgeröll, die Harrat. Hier wachsen niedrige, weit auseinanderstehende Zwergsträucher, die mit tiefen Wurzeln Restfeuchte erreichen und in der Trockenzeit Blätter abwerfen. Tamarisken und Schirmakazien halten sich in Wadis, in denen nach Winterregen unterirdisch Wasser fließt.
Viele Wüstenpflanzen sind einjährig: Ihre Samen ruhen jahrelang im Boden und keimen erst nach ausreichendem Regen. Dann überziehen sich Senken für wenige Wochen mit Grün und Blüten. In Salzböden am Toten Meer wachsen Salzpflanzen, die überschüssiges Salz über die Blätter ausscheiden. Selbst im kleinen Shaumari-Reservat in der Ostwüste zählt die RSCN mehr als 190 Pflanzenarten, im Feuchtgebiet von Azraq über 210.
Wann blüht Jordanien am schönsten?
Im Frühjahr, meist von Februar bis April. Im warmen Jordantal beginnt die Blüte früh, im Bergland folgt sie einige Wochen später, in der Wüste nur nach guten Wintern. Dann blühen Anemonen, Mohn, Ranunkeln, Orchideen und Iris; an den Hängen um Pella im nördlichen Jordantal ziehen die Wildblumen jedes Frühjahr Besucher an.
Für Reisende passt das ideal: Das Frühjahr gehört ohnehin zu den angenehmsten Reisezeiten mit milden Temperaturen für Wanderungen in Dana, Ajloun oder im Wadi Mujib. Wie sich die Monate im Vergleich schlagen, zeigt unser Ratgeber zur besten Reisezeit für Jordanien.
Welche Heil- und Nutzpflanzen sind in Jordanien wichtig?
Pflanzen spielen im Alltag eine große Rolle. Laut CBD-Länderprofil haben 485 wild wachsende Arten eine Heilwirkung, und viele werden bis heute gesammelt. Wilde Thymian- und Oreganoarten liefern Za’atar, die Kräutermischung, die mit Olivenöl zum Frühstück gegessen wird. Salbei, im Arabischen Maramiya, kommt in den schwarzen Tee; Kamille und Minze werden als Aufguss getrunken, wie auf der Seite zu den jordanischen Getränken beschrieben.
Die wichtigste Kulturpflanze ist der Ölbaum. Olivenhaine prägen das Bergland im Norden und Westen, das Jordantal ist das Gemüse- und Obstanbaugebiet des Landes. Beduinen nutzten Wüstenpflanzen als Viehfutter, Brennmaterial und Medizin; Wermut-Arten etwa gelten als Mittel gegen Magenbeschwerden. Kommerzielles Sammeln setzt manchen Wildbeständen inzwischen zu.
Was bedroht Jordaniens Flora?
Vor allem Wassermangel, Überweidung und Bebauung. Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Erde; das Abpumpen von Grundwasser trocknete die Oase Azraq bis 1992 nahezu aus und zerstörte große Teile ihrer Sumpfvegetation. Seit 1994 wird das Feuchtgebiet teilweise wiederhergestellt.
Laut CBD-Länderprofil gelten 375 Pflanzenarten als selten oder sehr selten, 150 als bedroht, 18 davon weltweit, und 75 gelten in Jordanien als verschollen. Weitere Gefahren sind Holzeinschlag, Übernutzung durch Sammler, die Zerschneidung der Lebensräume durch Privatland innerhalb der Reservate und der Klimawandel mit unsicheren Niederschlägen. Die RSCN setzt auf Schutzgebiete und auf Projekte, die Dorfbewohnern Einkommen aus Kräutern, Kunsthandwerk und Ökotourismus verschaffen.
Häufige Fragen zur Flora Jordaniens
Ist Jordanien nur Wüste?
Nein. Zwar sind rund zwei Drittel des Landes Wüste, doch im Norden und Westen gibt es Eichen- und Kiefernwälder, Olivenhaine und grüne Täler. Das Jordantal ist sogar ein intensiv genutztes Anbaugebiet.
Darf man die Schwarze Iris pflücken?
Bitte nicht. Die Nationalblume ist selten und gefährdet, jedes gepflückte Exemplar fehlt bei der Vermehrung. Fotografieren Sie die Pflanzen lieber am Standort.
Wo wachsen Palmen in Jordanien?
Dattelpalmen gedeihen in den warmen Tieflagen, vor allem im Jordantal, am Toten Meer, in Aqaba und an Oasen. Im Bergland ist es ihnen im Winter zu kühl.
Welche Kräuter kann man als Souvenir kaufen?
Beliebt sind Za’atar-Mischungen, getrockneter Salbei für Tee und Olivenöl. Kaufen Sie am besten bei Kooperativen, etwa in den Läden der Naturschutzgebiete, die faire und nachhaltige Sammlung unterstützen.
Gibt es Kakteen in Jordanien?
Echte Kakteen stammen aus Amerika und sind in Jordanien nicht heimisch. Die häufig gepflanzten Feigenkakteen wurden eingeführt und dienen als Heckenpflanzen und Obstlieferanten.
Wandern und Natur in Jordanien entdecken →
Quellen und weiterführende Informationen: Convention on Biological Diversity: Jordan – Country Profile, RSCN: Dibeen Forest Reserve, RSCN: Ajloun Forest Biosphere Reserve