Jordaniens Tierwelt ist trotz des trockenen Klimas erstaunlich vielfältig: Nachgewiesen sind rund 78 Säugetier-, etwa 425 Vogel- und gut 100 Reptilien- und Amphibienarten. Symboltier ist die Arabische Oryx, die nach ihrer Ausrottung im Shaumari-Reservat wieder angesiedelt wurde. Am besten beobachten Sie Tiere in den Schutzgebieten Dana, Mujib, Azraq und Shaumari.

Zwischen dem mediterranen Bergland im Norden, der Wüste im Osten und dem tiefen Grabenbruch treffen in Jordanien Tierarten aus Europa, Asien und Afrika aufeinander. Viele davon sind scheu und nachtaktiv, einige stark gefährdet. Diese Seite stellt die wichtigsten Arten vor, erklärt die Arbeit der Schutzgebiete und zeigt, wo Reisende die besten Chancen auf Begegnungen haben. Welche Pflanzen die Lebensräume prägen, lesen Sie auf der Seite zur Flora Jordaniens.
| Auf einen Blick | Tierwelt Jordaniens |
|---|---|
| Säugetiere | 78 Arten, darunter etwa 20 Fledermausarten |
| Vögel | rund 425 Arten, gut die Hälfte davon Zugvögel |
| Reptilien und Amphibien | 102 Arten, ganz überwiegend Reptilien |
| Weltweit bedroht | 47 Arten auf der Roten Liste der IUCN, davon 12 Säugetiere und 15 Vögel |
| Nationaltier | Arabische Oryx (Al-Maha) |
| Nationalvogel | Sinai-Rosengimpel |
| Einziges endemisches Wirbeltier | Azraq-Zahnkärpfling, ein kleiner Fisch der Oase Azraq |
| Naturschutzorganisation | Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN), gegründet 1966 |
Welche Säugetiere leben hier?
Rückkehr der Arabischen Oryx
Wölfe, Hyänen und Wildkatzen
Paradies für Vogelbeobachter
Reptilien und Skorpione
Leben im Golf von Aqaba
Wo Sie Tiere beobachten
Was bedroht die Tierwelt?
Welche Säugetiere leben in Jordanien?
In Jordanien sind laut dem Länderprofil der Biodiversitätskonvention (CBD) 78 Säugetierarten nachgewiesen. Den größten Anteil stellen kleine, nachtaktive Tiere: etwa 20 Fledermausarten und eine ähnlich große Zahl an Nagetieren wie Wüstenrennmäuse, Springmäuse und Blindmulle. Klassische Maulwürfe, wie sie ältere Reiseführer nennen, gibt es nicht; ihre ökologische Rolle übernehmen hier die unterirdisch lebenden Blindmulle.
Zu den auffälligsten Huftieren gehört der Nubische Steinbock. Er klettert in den Felsschluchten am Ostrand des Grabenbruchs und wird in den Reservaten Dana und Mujib regelmäßig gesichtet. In den Wadis und auf Felsen sitzen oft Klippschliefer, kaninchengroße Tiere, die trotz ihres Aussehens näher mit Elefanten verwandt sind als mit Nagern. Die drei heimischen Gazellenarten – Berg-, Kropf- und Dorkasgazelle – wurden durch Jagd im 20. Jahrhundert stark dezimiert; Berggazellen leben heute noch in kleinen Beständen, unter anderem im Dana-Biosphärenreservat.
Einige Arten sind vollständig verschwunden. Der Arabische Leopard und der Strauß wurden im 20. Jahrhundert ausgerottet. Fossilfunde zeigen, dass in der Region einst sogar Syrische Braunbären, Asiatische Löwen und Elefanten lebten.
Wie kehrte die Arabische Oryx nach Jordanien zurück?
Die Arabische Oryx war in Jordanien bereits in den 1930er-Jahren ausgerottet, weltweit galt sie ab 1972 in freier Wildbahn als ausgestorben. Die Rückkehr gelang über ein Zuchtprogramm im Shaumari-Wildreservat nahe der Oase Azraq, dem ersten Schutzgebiet des Landes in der Wüstenzone. Die RSCN begann 1975 mit der Einzäunung des rund 21 Quadratkilometer großen Areals.
1978 trafen nach Angaben der RSCN elf Tiere ein: acht aus einem Zoo in den USA und drei aus Katar. Sie wurden zunächst in Zuchtgehegen gehalten. 1983 konnten bereits 31 in Gefangenschaft geborene Oryx in das größere Reservat entlassen werden. Später wuchs der Bestand auf rund 200 Tiere, und Jordanien gab Oryx an Auswilderungsprojekte in anderen Ländern ab. Weltweit wurde die Art 2011 von „stark gefährdet“ auf „gefährdet“ herabgestuft – als erstes Tier, das nach dem Status „in der Wildnis ausgestorben“ wieder in diese Kategorie zurückkehrte.
In Shaumari bewegen sich die Oryx heute frei im Reservat, während Gazellen und Wildesel in Gehegen zu sehen sind. Die RSCN bietet geführte Safarifahrten an. Die Oryx gilt als Nationaltier Jordaniens; ihr arabischer Name „Al-Maha“ taucht in vielen Firmennamen und Wappen auf.
Gibt es Wölfe, Hyänen und Wildkatzen in Jordanien?
Ja, wenn auch selten zu sehen. Jordanien beherbergt eine überraschend große Gruppe von Raubtieren, die meist nachts unterwegs sind. Allein im Shaumari-Reservat sind laut RSCN sechs Arten nachgewiesen: Rotfuchs, Goldschakal, Wolf, Streifenhyäne, Karakal und Wildkatze.
- Arabischer Wolf: eine kleine, an die Wüste angepasste Unterart des Wolfs, die in den Steppen und Wüstenrandgebieten lebt und mit Hirten immer wieder in Konflikt gerät.
- Streifenhyäne: ein Aasfresser, der im Volksglauben einen schlechten Ruf hat und deshalb oft verfolgt wurde. Sie kommt unter anderem in Dana und Shaumari vor.
- Karakal: der Wüstenluchs mit den markanten Pinselohren jagt in felsigem Gelände, etwa im Mujib-Reservat.
- Kleine Wildkatzen und Füchse: Sandkatze, Rohrkatze und Afrikanische Wildkatze sowie Afghanfuchs, Rüppellfuchs und Fennek sind an Wüste und Halbwüste angepasst.
- Weitere Arten: Ägyptischer Mungo, Honigdachs und – an wenigen Gewässern – der Fischotter.
Gefährlich sind diese Tiere für Reisende nicht. Wer nachts im Wüstencamp ein Heulen oder Kläffen hört, hört meist Schakale oder Füchse.
Warum ist Jordanien ein Paradies für Vogelbeobachter?
Weil das Land an einer der großen Zugrouten zwischen Europa, Asien und Afrika liegt. Rund 425 Vogelarten sind nachgewiesen; etwa 220 davon ziehen durch oder verbringen nur einen Teil des Jahres in Jordanien. Besonders Störche, Greifvögel und Pelikane folgen im Frühjahr und Herbst dem Grabenbruch, weil sie über Land die aufsteigende Warmluft zum Segeln nutzen und das offene Meer meiden.
Drei Orte sind für Vogelfreunde besonders ergiebig:
- Azraq-Feuchtgebiet: Das Reservat in der Ostwüste, rund 115 Kilometer von Amman, war das erste Ramsar-Feuchtgebiet der arabischen Welt. Laut RSCN wurden hier etwa 329 Vogelarten beobachtet – rund zwei Drittel der Arten des Landes.
- Mujib und Jordantal: Das Mujib-Reservat liegt direkt auf der Zugroute. Weiß- und Schwarzstörche, Wespenbussarde und Adler überqueren hier das Tal; der weltweit bedrohte Rötelfalke brütet im Reservat.
- Aqaba: Am Nordende des Golfs sammeln sich Zugvögel nach oder vor der Wüstenüberquerung. Rund um den Golf sind mehr als 390 Vogelarten bekannt, darunter Flamingos und Pelikane. Eine Vogelbeobachtungsstation am Stadtrand bietet Wege und Verstecke.
Unter den Brutvögeln fallen der Sinai-Rosengimpel auf, Jordaniens rosafarbener Nationalvogel aus den Felsregionen um Petra und das Wadi Rum, sowie Tristramstar und Gänsegeier. Zu den weltweit bedrohten Arten in Jordanien zählen Schmutzgeier, Ohrengeier, Sakerfalke und der vom Aussterben bedrohte Steppenkiebitz.
Welche Reptilien und Skorpione begegnen Reisenden?
Reptilien sind in Jordanien artenreich, aber für Reisende kaum ein Problem. Zu den gut 100 Arten der Reptilien und Amphibien gehören Geckos, Skinke, Agamen, Eidechsen, der bis über einen Meter lange Wüstenwaran und die pflanzenfressende Dornschwanzagame. Fünf Schildkrötenarten leben im Land und im Meer.
Die Schlangen gehören sieben Familien an, überwiegend Nattern und Vipern. Zu den giftigen Arten zählen die Palästinaviper im Norden sowie Hornvipern in Sandgebieten. Skorpione sind verbreitet und verstecken sich tagsüber unter Steinen. Bei Wanderungen und Übernachtungen im Freien gilt deshalb: festes Schuhwerk tragen, nicht unter Steine greifen und Schuhe vor dem Anziehen ausschütteln. Bisse und Stiche sind bei Touristen selten.
Amphibien sind im trockenen Land rar: Bekannt sind eine Molchart, der Bandmolch, sowie vier Frosch- und Krötenarten, die auf Quellen, Bäche und Wasserbecken angewiesen sind.
Was lebt im Golf von Aqaba?
Unter Wasser zeigt Jordanien eine ganz andere Seite. Das Saumriff vor Aqaba gehört zum Roten Meer und beherbergt Hunderte Fischarten, Korallen, Echte Karettschildkröten, Grüne Meeresschildkröten und Große Tümmler. Viele Weichtiere und Stachelhäuter des Golfs kommen nur hier vor. Weil die Küste nur rund 26 Kilometer lang ist, steht ein Teil davon unter Schutz. Ausführlich beschreiben wir Tauchen, Schnorcheln und Riffe auf der Seite zum Roten Meer.
Wo können Sie Jordaniens Tierwelt am besten beobachten?
Die besten Chancen bieten die Schutzgebiete der RSCN, die Wanderwege, Führungen und Unterkünfte unterhalten. Die Organisation betreut heute zehn Reservate:
| Schutzgebiet | Typische Tierbeobachtungen |
|---|---|
| Dana (seit 1989, rund 292 km²) | Nubischer Steinbock, Berggazelle, Klippschliefer, rund 250 Vogelarten |
| Mujib (seit 1985, rund 212 km²) | Steinbock, Karakal, Zugvögel im Frühjahr und Herbst |
| Azraq-Feuchtgebiet (rund 74 km²) | Wasser- und Zugvögel, Libellen, Azraq-Zahnkärpfling |
| Shaumari (rund 21 km²) | Arabische Oryx, Gazellen, Wildesel, Greifvögel |
| Ajloun und Dibbeen | Persisches Eichhörnchen, Wildschwein, Waldvögel |
Im Dana-Biosphärenreservat leben laut RSCN 39 Säugetier- und 44 Reptilienarten; die Wanderung hinab nach Feynan ist zugleich ein Querschnitt durch mehrere Lebensräume. Wer Steinböcke sehen will, plant früh morgens eine Tour in den Schluchten des Wadi Mujib ein. Das neue Reservat Burqu‘ liegt dagegen im äußersten Nordosten, für den das Auswärtige Amt derzeit dringend von Reisen abrät; Details stehen auf unserer Seite zur Sicherheit in Jordanien.
Welche Gefahren bedrohen Jordaniens Tierwelt?
Die größten Bedrohungen sind Wassermangel, Jagd, Überweidung und die Ausbreitung von Siedlungen und Landwirtschaft. Laut CBD-Länderprofil stehen 47 in Jordanien vorkommende Arten auf der Roten Liste der weltweit bedrohten Arten.
Das drastischste Beispiel ist die Oase Azraq: Durch das Abpumpen von Grundwasser für Amman und die Landwirtschaft fiel das Feuchtgebiet bis 1992 praktisch trocken. Seit 1994 pumpt die RSCN Wasser zurück und hat dauerhafte Teiche angelegt, doch die einstige Ausdehnung ist verloren. Der Azraq-Zahnkärpfling, das einzige nur in Jordanien vorkommende Wirbeltier, überlebt in diesen Restbecken.
Die Jagd wurde 1973 mit Schonzeiten und Quoten geregelt, illegale Jagd bleibt aber ein Problem, ebenso Stromleitungen und Windparks auf den Zugrouten der Großvögel. Die RSCN setzt neben Schutzgebieten auf Ökotourismus: Einnahmen aus Lodges und Führungen fließen in den Naturschutz und schaffen Arbeit in den Dörfern am Rand der Reservate.
Häufige Fragen zur Tierwelt Jordaniens
Gibt es in Jordanien gefährliche Tiere?
Giftschlangen und Skorpione kommen vor, Zwischenfälle mit Reisenden sind aber selten. Wer festes Schuhwerk trägt, nicht unter Steine greift und im Camp Schuhe ausschüttelt, ist gut geschützt. Größere Raubtiere wie Wölfe und Hyänen meiden Menschen.
Was ist das Nationaltier Jordaniens?
Die Arabische Oryx, eine weiße Antilope mit langen, geraden Hörnern. Sie war in Jordanien ausgerottet und wurde ab 1978 im Shaumari-Reservat wieder angesiedelt.
Kann man in Jordanien Kamele reiten?
Ja, vor allem im Wadi Rum und in Petra. Die Dromedare sind allerdings Haustiere der Beduinen und keine Wildtiere; wild lebende Kamele gibt es in Jordanien nicht. Achten Sie bei Ausritten auf gut versorgte Tiere.
Wann ist die beste Zeit für Vogelbeobachtung?
Während des Vogelzugs im Frühjahr von März bis Mai und im Herbst von September bis November. Dann sind Azraq, das Jordantal und Aqaba besonders ergiebig.
Kostet der Besuch der Schutzgebiete Eintritt?
Ja, die RSCN erhebt für ihre Reservate Eintritts- und Führungsgebühren, die in den Naturschutz fließen. Die aktuellen Preise veröffentlicht die Organisation auf ihrer Website; Touren lassen sich dort auch buchen.
Naturerlebnisse in Jordanien planen →
Quellen und weiterführende Informationen: Convention on Biological Diversity: Jordan – Country Profile, RSCN: Shaumari Wildlife Reserve, RSCN: Azraq Wetland Reserve