Getränke sind in Jordanien gelebte Gastfreundschaft: allgegenwärtiger süßer Tee mit Minze oder Salbei, das Ritual des kardamomduftenden Beduinenkaffees, frisch gepresste Säfte auf den Basaren und – trotz muslimischer Prägung – lokaler Wein und der Anisschnaps Arak. Wer die Trinkkultur kennt, versteht ein Stück jordanischen Alltag.
In Jordanien beginnt fast jede Begegnung mit einem Getränk. Man wird kaum ein Geschäft betreten, ein Büro besuchen oder einem Beduinen begegnen, ohne dass Tee oder Kaffee angeboten wird – die Annahme gehört zum guten Ton. Diese Kultur des Teilens ist der Kern jordanischer Gastfreundschaft. Rund um die Getränke ranken sich Rituale, die viel über Land und Leute verraten – ein Thema, das gut zur jordanischen Küche passt.

Warum ist Tee das Nationalgetränk?
Tee (shai) ist in Jordanien allgegenwärtig und wird zu jeder Tageszeit getrunken – stark, sehr süß und in kleinen Gläsern. Zwei Varianten dominieren: shai bi na’na mit frischer Minze, erfrischend und verdauungsfördernd, und shai bi maramiya mit Salbei, besonders in den Bergregionen und bei kühlem Wetter beliebt. Der Zucker gehört fest dazu; wer weniger süß mag, sagt es am besten vorab. Tee ist das Getränk der Gastfreundschaft schlechthin – im Basar, im Beduinenzelt und in jedem Haushalt.
Was macht den arabischen Kaffee besonders?
Der arabische Kaffee (qahwa arabiyya) unterscheidet sich stark vom europäischen: hell geröstet, mit viel Kardamom gewürzt, ungesüßt und in winzigen, henkellosen Tässchen serviert. In der beduinischen Tradition ist das Einschenken aus der langtülligen Kanne (dallah) ein Ehrritual. Daneben gibt es den dunklen, dickflüssigen „türkischen“ Kaffee (qahwa turkiyya), der mit dem Satz im Tässchen serviert wird – hier gilt: den Bodensatz stehen lassen. Die arabische Kaffeezeremonie ist UNESCO-Kulturerbe; mehr zum Ritual im Beduinenzelt steht unter Beduinenkultur.
Welche alkoholfreien Erfrischungen sollte man probieren?
Auf Basaren und an Straßenständen locken frische Säfte und Spezialitäten:
- Frische Säfte: Granatapfel, Orange, Karotte und Mango werden vor den Augen gepresst – ideal gegen die Hitze.
- Zitrone-Minze (limonana): pürierte Limonade mit Minze, das erfrischendste Getränk des Landes.
- Tamarinde & Süßholz (sous): traditionelle, herb-süße Erfrischungen, oft von Straßenverkäufern mit klimpernden Messingtassen angeboten.
- Sahlab: ein warmes, cremiges Milchgetränk mit Zimt und Nüssen, vor allem im Winter.
- Ayran: gesalzenes Joghurtgetränk, der perfekte Begleiter zu deftigem Essen.
Gibt es Wein und Bier in Jordanien?
Ja. Obwohl Jordanien ein mehrheitlich muslimisches Land ist, wird Alkohol legal verkauft und in vielen Restaurants, Hotels und Bars ausgeschenkt – diskret und respektvoll gehandhabt. Es gibt sogar lokale Weingüter, die im Norden des Landes Reben anbauen; jordanische Weine der Kellereien Zumot (Saint George) und Haddad sind in besseren Restaurants erhältlich. Auch lokales Bier wird gebraut. Außerhalb touristischer Zonen ist Alkohol weniger präsent; während des Fastenmonats Ramadan wird er tagsüber kaum ausgeschenkt.
Was ist Arak – und wie trinkt man ihn?
Arak ist der traditionelle Anisschnaps der Levante, klar und hochprozentig, aus Trauben gebrannt und mit Anis aromatisiert. Man trinkt ihn nie pur: Mit Wasser verdünnt färbt er sich milchig-weiß (im Volksmund „Löwenmilch“), dazu kommt Eis. Serviert wird Arak klassisch zu Mezze – den kleinen Vorspeisen –, weil sich der Anisgeschmack und die salzig-frischen Häppchen ideal ergänzen. Ein Arak-Abend mit Mezze ist ein geselliges Ritual, das man sich als Reisender nicht entgehen lassen sollte. Passende Gerichte finden Sie in unseren Rezepten.
Wie läuft die Getränke-Etikette?
Ein paar Gepflogenheiten erleichtern das Miteinander: Nehmen Sie Tee oder Kaffee mit der rechten Hand entgegen. Beim beduinischen Kaffee bedeutet leichtes Schütteln des Tässchens „genug, danke“, sonst wird nachgeschenkt. Ein Angebot auszuschlagen kann als unhöflich gelten – wer nicht möchte, lehnt freundlich und dankend ab. In konservativen Gegenden und während des Ramadan verzichtet man aus Respekt tagsüber auf Essen und Trinken in der Öffentlichkeit. Weitere Verhaltenstipps stehen unter Wissenswertes.
Wo kauft man Getränke – und was kosten sie?
Tee und Kaffee sind überall günstig; ein Glas Tee im Café kostet meist nur wenige Piaster. Frische Säfte an Ständen sind erschwinglich und sicher, solange der Umschlag hoch ist. Alkohol ist deutlich teurer als in Europa, da hoch besteuert – ein importiertes Bier im Restaurant kann mehrere Dinar kosten, lokaler Wein ist etwas günstiger. In Supermärkten mit Alkohollizenz und in spezialisierten Läden (in Amman und den Touristenorten) kauft man am preiswertesten. Eine Einordnung der allgemeinen Preise gibt unser Ratgeber Kosten & Budget.
Ist Leitungswasser trinkbar?
Das Leitungswasser in Jordanien ist zwar aufbereitet, wird von Reisenden aber besser nicht getrunken – der Magen ist an die lokale Zusammensetzung nicht gewöhnt. Greifen Sie zu abgefülltem Wasser, das überall günstig erhältlich ist, und trinken Sie in der Wüste und beim Wandern reichlich. Wer Plastik vermeiden will, nutzt einen Filter oder nachfüllbare Stationen in besseren Hotels. Zum Thema Wasser und Gesundheit passt der Bereich Wissenswertes.
Welche Rolle spielen Getränke im Ramadan?
Während des Fastenmonats Ramadan verzichten gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Als Reisender sollte man aus Respekt tagsüber nicht öffentlich essen oder trinken; viele Cafés öffnen erst zum Fastenbrechen. Umso festlicher sind die Abende: Das Iftar, das Fastenbrechen, beginnt traditionell mit ein paar Datteln und einem Glas Wasser oder Jallab – einem süßen Sirupgetränk aus Traubenmelasse, Rosenwasser und Pinienkernen. Auch Qamar al-Din, ein Aprikosennektar, ist typisch. Wer Jordanien im Ramadan besucht, erlebt eine besondere Atmosphäre, sollte sich aber auf veränderte Öffnungszeiten einstellen – mehr dazu unter Wissenswertes.
Was trinkt man zu welchem Anlass?
Getränke folgen in Jordanien einem sozialen Rhythmus. Der Tag beginnt oft mit süßem Tee, der Vormittag im Büro oder Geschäft wird von Kaffeerunden begleitet. Zu einem herzhaften Mittag- oder Abendessen passt Ayran oder Wasser, zum Nachtisch türkischer Kaffee. Besuch wird stets mit Tee oder Kaffee empfangen – die Ablehnung gilt als unhöflich. Bei festlichen Anlässen und im gehobenen Restaurant kommt Arak zu Mezze auf den Tisch, seltener lokaler Wein zum Hauptgang. Frische Säfte und Limonana sind die Getränke des heißen Nachmittags und der Basarbummel. Wer diese Rhythmen kennt, bewegt sich mühelos durch den Alltag und die Traditionen des Landes.
Woher stammt der Wein in Jordanien?
Weinbau hat in der Levante eine jahrtausendealte Geschichte, die bis in biblische Zeiten zurückreicht. Heute konzentriert sich der moderne jordanische Weinbau auf das kühlere Hochland im Norden, etwa rund um Mafraq und die Region nördlich von Amman, wo Höhenlage und Temperaturunterschiede brauchbare Bedingungen schaffen. Die führenden Kellereien keltern sowohl internationale Rebsorten als auch Cuvées, die zunehmend Beachtung finden. Verkostungen sind noch die Ausnahme, doch in guten Restaurants in Amman und den Touristenorten stehen lokale Weine auf der Karte – ein Gesprächsthema, das viele Gäste überrascht, weil man es in einem arabischen Land nicht erwartet.
Welche Getränke eignen sich als Souvenir?
Aus Jordanien lassen sich einige Getränke gut mitnehmen. Beliebt ist loser schwarzer Tee mit getrockneter Minze oder Salbei, ebenso ganze Kardamomkapseln für den eigenen arabischen Kaffee zu Hause. Auf den Basaren von Amman und in den Souvenirläden der Touristenorte findet man hübsche Kaffeekannen (dallah) und kleine Tässchen als Deko. Wer Alkohol mitbringen möchte, kann eine Flasche lokalen Weins oder Arak im lizenzierten Handel kaufen – die Einfuhrbestimmungen des Heimatlandes beachten. Beachten Sie zudem die zollrechtlichen Freimengen. Solche essbaren und trinkbaren Mitbringsel sind oft persönlicher als klassische Andenken und erinnern zu Hause an die Gastfreundschaft, die man im Land erlebt hat.
Häufige Fragen zu Getränken in Jordanien
Bekommt man in Jordanien Alkohol?
Ja, legal und in vielen Restaurants, Hotels und Bars sowie lizenzierten Läden. Es gibt sogar lokalen Wein und Bier. Außerhalb touristischer Zonen ist Alkohol dezenter präsent, während des Ramadan tagsüber kaum.
Wie trinkt man Arak richtig?
Nie pur: mit Wasser verdünnt (er wird milchig-weiß) und mit Eis, klassisch zu Mezze. Der Anisschnaps ist hochprozentig, also in Maßen genießen.
Kann man das Leitungswasser trinken?
Besser nicht. Es ist aufbereitet, doch Reisende greifen zu günstigem Flaschenwasser, um Magenprobleme zu vermeiden – besonders wichtig bei Hitze und beim Wandern.
Was ist der Unterschied zwischen arabischem und türkischem Kaffee?
Arabischer Kaffee ist hell geröstet, mit Kardamom gewürzt, ungesüßt und in winzigen Tässchen serviert. Türkischer Kaffee ist dunkel, dickflüssig und wird mit dem Satz serviert, den man stehen lässt.