Das Wadi Rum ist eine rot leuchtende Sand- und Felswüste im Süden Jordaniens, seit 2011 UNESCO-Welterbe und Schutzgebiet. Bekannt als „Tal des Mondes“, besticht es durch bis zu 800 Meter hohe Sandsteinberge, Felsbögen und weite Dünen. Höhepunkt jeder Reise ist eine Jeep-Tour mit Übernachtung in einem Beduinencamp unter dem Sternenhimmel.
Wenn Petra für Jordaniens Vergangenheit steht, dann das Wadi Rum für seine Weite. Die Landschaft aus rotem Sand und monumentalen Felsmassiven wirkt so außerirdisch, dass hier zahlreiche Mars-Filme gedreht wurden. Zugleich ist es seit Jahrhunderten Heimat der Beduinen vom Stamm der Zalabia, die heute die meisten Camps und Touren betreiben. Dieser Reiseführer erklärt, was Sie im Wadi Rum erwartet, wie Sie eine Tour buchen und worauf es bei der Übernachtung ankommt.
Was kann man im Wadi Rum unternehmen?
Das Wadi Rum erlebt man fast ausschließlich mit einem einheimischen Guide – individuelles Fahren ist im Schutzgebiet nicht erlaubt. Die klassische Aktivität ist die halb- oder ganztägige Jeep-Tour: Auf der Ladefläche eines Pick-ups geht es zu den bekanntesten Punkten der Wüste.
- Lawrence-Quelle & Lawrence-Haus: Orte, die mit T. E. Lawrence („Lawrence von Arabien“) und dem Arabischen Aufstand verbunden sind.
- Khazali-Schlucht: eine enge Felsspalte mit nabatäischen und thamudischen Felszeichnungen.
- Rote Dünen & Felsbögen: etwa die große Düne am Jebel Umm Ulaydiyya und der freistehende Bogen Umm Fruth, den man erklettern kann.
- Burdah- und Umm-Fruth-Felsbrücken: natürliche Steinbögen hoch über dem Wüstenboden.
- Sonnenuntergangspunkt: ein erhöhter Aussichtsplatz, an dem sich die Felsen tiefrot färben.
Wer mehr Zeit und Abenteuerlust mitbringt, kann Kamelritte, mehrtägige Trekkingtouren, das Erklimmen des Jebel Umm ad Dami (mit 1.854 m höchster Berg Jordaniens) oder eine Ballonfahrt bei Sonnenaufgang unternehmen. Beliebt ist außerdem das Klettern und Scrambling an den steilen Sandsteinwänden.
Wie übernachtet man im Wadi Rum?
Die Übernachtung im Camp ist der eigentliche Zauber des Wadi Rum. Die Bandbreite reicht vom einfachen Beduinenzelt mit Gemeinschaftsbad bis zu komfortablen „Bubble Tents“ – transparenten Kuppelzelten mit Bett und eigenem Bad, durch deren Dach man beim Einschlafen die Sterne sieht. Zum Abendessen wird oft Zarb serviert, ein im Sandofen gegartes Fleisch- und Gemüsegericht der Beduinen.
Die Nächte sind klar und in Wüstenmanier temperaturarm: Selbst im Sommer kühlt es nachts stark ab, im Winter kann es empfindlich kalt werden und frieren. Packen Sie also auch bei Sommerreisen eine warme Schicht ein. Weil es keine Lichtverschmutzung gibt, zählt das Wadi Rum zu den besten Orten der Region für Sternenbeobachtung und Milchstraßen-Fotografie.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für einen ersten Eindruck genügt eine Nachmittags-Jeep-Tour mit einer Übernachtung: Sie fahren am späten Nachmittag hinein, erleben den Sonnenuntergang, übernachten im Camp und sehen am Morgen den Sonnenaufgang, bevor Sie weiterreisen. Wer die Wüste wirklich spüren will, bleibt zwei Nächte und kombiniert eine Ganztagestour mit einem gemächlichen Tag zum Wandern oder Kamelreiten. In eine Jordanien-Rundreise fügt sich das Wadi Rum ideal zwischen Petra und dem Roten Meer in Aqaba ein.
Was kostet der Besuch im Wadi Rum?
Für die Einfahrt ins Schutzgebiet wird eine Eintrittsgebühr fällig (2 JOD pro Person), die im Jordan Pass enthalten ist. Hinzu kommen die Kosten für Tour und Camp: Eine Kombination aus mehrstündiger Jeep-Tour und einer Übernachtung mit Halbpension beginnt je nach Komfort bei etwa 50 bis 90 JOD pro Person; Bubble-Tent-Camps liegen deutlich höher. Ganztagestouren und Kamelritte kosten extra. Trinkgeld für den Guide ist üblich.
Wann ist die beste Zeit für das Wadi Rum?
Wie in ganz Süd-Jordanien sind Frühling (März–Mai) und Herbst (September–November) ideal: warme, aber erträgliche Tage und angenehm kühle Nächte. Im Hochsommer wird die Mittagshitze in der schattenlosen Wüste sehr intensiv – Touren finden dann früh morgens und am späten Nachmittag statt. Der Winter bringt kalte Nächte mit teils Frost, dafür glasklare Luft und dramatisches Licht. Details in unserem Ratgeber zur besten Reisezeit.
Wie kommt man ins Wadi Rum?
Das Besucherzentrum liegt rund 1,5 Autostunden nördlich von Aqaba und etwa zwei Stunden südlich von Petra, direkt am Desert Highway. Die meisten Reisenden kommen mit Mietwagen oder im Rahmen einer Rundreise; das Camp organisiert in der Regel den Transfer vom Besucherzentrum in die Wüste, da man mit dem eigenen Fahrzeug nicht ins Kernschutzgebiet fahren darf. Von Aqaba aus lässt sich das Wadi Rum auch als Tagesausflug besuchen – schöner ist jedoch die Übernachtung.
Wie wählt man das richtige Wüstencamp?
Die Camps unterscheiden sich stark – von einfach bis luxuriös. Achten Sie bei der Wahl auf:
- Komfortstufe: einfaches Beduinenzelt mit Gemeinschaftsbad, festes Zelt mit eigenem Bad oder „Bubble Tent“ mit transparenter Kuppel und Sternenblick.
- Lage: Camps im Kernschutzgebiet bieten mehr Ruhe und Sterne als solche nahe der Straße oder dem Dorf Rum.
- Inklusivleistungen: Sind Transfer vom Besucherzentrum, Halbpension, Sonnenuntergangsstopp und Tour im Preis? Das klärt Missverständnisse vorab.
- Betreiber: Buchen Sie möglichst direkt bei einer lokalen Beduinenfamilie oder über eine seriöse Agentur – das sichert das Einkommen der Gemeinschaft.
Als Faustregel gilt: Für das Sternenerlebnis lohnt sich ein Camp mit möglichst wenig Lichtverschmutzung; für Komfort und Privatsphäre ein festes Zelt mit eigenem Bad.
Was hat Lawrence von Arabien mit dem Wadi Rum zu tun?
Der britische Offizier T. E. Lawrence – „Lawrence von Arabien“ – operierte während des Arabischen Aufstands 1917/18 im Wadi Rum und beschrieb die Landschaft in seinem Buch „Die sieben Säulen der Weisheit“. Nach ihm sind mehrere Orte benannt, etwa die „Sieben Säulen der Weisheit“ (eine Felsformation nahe dem Besucherzentrum) und das „Lawrence-Haus“. Guides erzählen auf den Jeep-Touren gern die historischen Hintergründe, was der Wüste eine zusätzliche Ebene gibt.
Welche Filme wurden im Wadi Rum gedreht?
Die außerirdisch wirkende Landschaft war Kulisse zahlreicher Kinofilme, darunter mehrere Science-Fiction-Produktionen, die den Mars darstellen. Diese Bekanntheit hat den Tourismus beflügelt – viele Reisende erkennen einzelne Felsformationen aus dem Kino wieder. Für Fotografen sind vor allem das weiche Licht am frühen Morgen und späten Nachmittag sowie die klaren Nächte reizvoll.
Welche Tier- und Pflanzenwelt gibt es in der Wüste?
Auf den ersten Blick wirkt das Wadi Rum leblos, doch die Wüste ist ein empfindliches Ökosystem. Nach seltenen Regenfällen sprießen kurzzeitig Kräuter und Blumen zwischen den Felsen. Zu den Bewohnern zählen Wüstenfüchse, Sandkatzen, Steinböcke, verschiedene Reptilien und zahlreiche Vögel; mit etwas Glück entdeckt man in Reservatsnähe sogar die scheue Arabische Oryx-Antilope, die wieder angesiedelt wurde. Die Beduinen kennen die Wasserstellen und die Pflanzen, die als Heilmittel oder Tierfutter dienen – ein Guide macht diese unsichtbare Wüstenwelt sichtbar. Bitte hinterlassen Sie keinen Müll und respektieren Sie die Vegetation: Das Wadi Rum ist ein Schutzgebiet.
Wie fotografiert man das Wadi Rum am besten?
Die Wüste ist ein Traum für Fotografen, verlangt aber das richtige Timing. Das schönste Licht liegt in der „goldenen Stunde“ nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang, wenn die Felsen tiefrot glühen und lange Schatten die Dünen strukturieren. Die Mittagssonne dagegen macht die Farben flach. Für die berühmten Sternenbilder brauchen Sie eine klare, mondarme Nacht, ein Stativ und lange Belichtungszeiten – die fehlende Lichtverschmutzung macht die Milchstraße oft mit bloßem Auge sichtbar. Staubschutz für die Kamera ist ratsam, ebenso ein Weitwinkel für die Weite und ein Teleobjektiv für die Felsdetails. Planen Sie die Übernachtung so, dass Sie beide magischen Tageszeiten erleben.
Häufige Fragen zum Wadi Rum
Kann man das Wadi Rum ohne Guide besuchen?
Nein. Das Wadi Rum ist ein Schutzgebiet; die Fahrten ins Kerngebiet und die Touren werden ausschließlich von einheimischen Beduinen-Guides durchgeführt. Mit dem eigenen Fahrzeug dürfen Sie nur bis zum Besucherzentrum. Das ist gewollt und sichert zugleich das Einkommen der lokalen Gemeinschaft.
Lohnt sich eine Übernachtung im Wüstencamp?
Unbedingt. Sonnenuntergang, Abendessen unter freiem Himmel und der Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung sind der Höhepunkt vieler Jordanien-Reisen. Schon eine Nacht genügt für ein intensives Erlebnis; zwei Nächte erlauben eine entspanntere Erkundung.
Wie warm oder kalt ist es nachts?
Die Wüste kühlt nach Sonnenuntergang stark ab. Auch im Sommer sind die Nächte angenehm frisch, im Winter kann es unter null Grad fallen. Packen Sie ganzjährig eine warme Jacke ein; die Camps stellen Decken bereit.
Ist das Wadi Rum für Familien geeignet?
Ja. Jeep-Touren, kurze Dünenwanderungen und die Camp-Übernachtung sind für Kinder ein Abenteuer. Achten Sie auf Sonnenschutz, ausreichend Wasser und ein Camp mit passendem Komfort; sehr lange Trekkingtouren sind für kleine Kinder weniger geeignet.