Pella, heute Tabaqat Fahl genannt, liegt am Ostrand des Jordantals im Norden Jordaniens. Die Grabungsstätte zeigt Siedlungsspuren von der Jungsteinzeit bis in islamische Zeit, dazu Reste aus der Dekapolis und mehrere byzantinische Kirchen. Wer Archäologie ohne Menschenmassen sucht, findet hier einen ruhigen, weitläufigen Ort.
Pella gehört nicht zu den Stätten, die auf jedem Reiseprogramm stehen, und genau das macht den Reiz aus. Zwischen Hügeln, Feigenbäumen und Wiesen liegen Mauern, Säulenreste und Kirchengrundrisse, oft ohne Absperrung und ohne Gedränge. Die Aussicht über das Jordantal ist weit, die Stille groß.
Diese Seite erklärt, was die Ausgrabungen über die Geschichte zeigen, was Besucher heute sehen und wie sich der Besuch planen lässt. Angaben zu Eintritt und Öffnungszeiten ändern sich, daher nennen wir keine Zahlen; auch die Datierungen der Funde unterscheiden sich je nach Quelle.
Wo liegt Pella, und wie kommt man hin?
Pella liegt am Fuß des Berglands am Ostrand des Jordantals, nicht weit von Umm Qais. Die Entfernung von Amman wird in Reiseführern mit rund anderthalb bis zwei Stunden Fahrt angegeben. Die Anfahrt führt über das Jordantal oder von Irbid und Ajloun hinunter. Am bequemsten ist ein Mietwagen oder ein Fahrer; öffentliche Verkehrsmittel gibt es nur eingeschränkt.
Die Stätte lässt sich gut mit anderen Zielen im Norden verbinden, etwa mit Umm Qais, Ajloun oder Jerash. Planen Sie die Anreise so, dass Sie tagsüber zurück sind.
Was zeigen die Ausgrabungen über die lange Geschichte?
Besiedelt wurde der Ort über Jahrtausende. Ausgrabungen der University of Sydney haben Hinweise auf jungsteinzeitliche Häuser aus der Zeit um 6000 vor Christus und auf Lagerkomplexe der Kupfersteinzeit um 4200 vor Christus gefunden. Die frühe Bronzezeit brachte Befestigungen: Je nach Quelle werden Plattformen und Tore um 3200 bis 2800 vor Christus genannt. Für die mittlere Bronzezeit um 1800 vor Christus sind massive Stadtmauern aus Lehmziegeln belegt.
Aus der späten Bronzezeit stammen Tempel und Palastwohnsitze, die zwischen etwa 1800 und 1200 vor Christus eingeordnet werden. Aus der Amarna-Zeit um 1350 vor Christus wird eine ägyptische Statthalterresidenz mit Tontafeln beschrieben. Bei einer Grabungskampagne 2019 sind außergewöhnliche Kleinfunde aus Holz, Knochen, Elfenbein, Fayence, Glas und Metall aus einem Palastbau der späten Bronzezeit geborgen worden. Die genauen Datierungen sind in der Fachliteratur teils umstritten.
Was war Pella in hellenistischer und römischer Zeit?
In hellenistischer Zeit erhielt der Ort den griechischen Namen Pella, nach der makedonischen Stadt. Er entwickelte sich zu einer Stadt griechischer Prägung und gehörte später zur Dekapolis, dem Städtebund im Osten des Römischen Reichs, der auch Gadara umfasste. Zu den Bauten dieser Zeit zählen Tempel, öffentliche Gebäude und ein Odeon, das als kleines Theater für Aufführungen und Versammlungen diente. Mehr zur Epoche lesen Sie im Bereich Geschichte unter dem Stichwort Antike.
Pella lag an einer günstigen Stelle: Wasser aus einer Quelle am Hang, fruchtbarer Boden im Tal und Verbindungen nach Westen und Osten machten den Ort für Handel und Landwirtschaft attraktiv. Auch deshalb blieb er über so lange Zeit besiedelt.
Welche byzantinischen Kirchen gibt es?
Seine größte Ausdehnung erreichte Pella in byzantinischer Zeit, als es Bischofssitz in der Provinz Palaestina Secunda war. Ausgräber haben mindestens drei dreiapsidige Kirchen freigelegt:
- Die Westkirche: Sie liegt am westlichen Fuß des Siedlungshügels und gilt als eine der größten Kirchen der Stadt.
- Die Kirche im Zivilkomplex: Eine große Säulenkirche, die als Kathedrale gedeutet wird und die Bedeutung des Ortes als Bischofssitz unterstreicht.
- Die Ostkirche: Sie liegt in der Nähe des Odeons und hat einfachere Mosaike.
Von den Kirchen sind Grundrisse, Säulenstümpfe und Reste von Mosaikböden erhalten. Ihre Größe lässt sich mit Kirchen in Madaba vergleichen, auch wenn die Ausstattung weniger prunkvoll war. Wer sich für frühchristliche Architektur interessiert, bekommt hier einen Eindruck ohne Eintrittskonkurrenz anderer Besucher.
Was sehe ich bei einem Rundgang?
Das Gelände ist weitläufig und besteht aus mehreren Teilen: dem Siedlungshügel Tell al-Husn mit seiner langen Schichtenfolge, einem zweiten Hügel mit weiteren Ruinen, dem Tal mit Resten von Wohn- und Handwerksvierteln sowie der Region um die Quelle. Orientierung erleichtern Informationstafeln, die allerdings nicht überall gleich gut gepflegt sind. Nehmen Sie sich ein Foto der Gesamtkarte am Eingang mit.
Die Wege sind teils steinig, im Frühjahr ist das Gras hoch, im Sommer ist es heiß und staubig. Rechnen Sie mit zwei bis drei Stunden, wenn Sie alle Bereiche sehen wollen. Gutes Schuhwerk, Sonnenschutz und Wasser sind Pflicht. Schatten gibt es nur an wenigen Stellen.
Wie lesen Archäologen einen Siedlungshügel wie Tell al-Husn?
Ein Tell entsteht, weil Menschen an derselben Stelle immer wieder bauen. Lehmziegelhäuser zerfallen, neue Häuser werden auf den Resten errichtet, und über Jahrhunderte wächst ein Hügel aus Schichten. Wer in einen solchen Hügel gräbt, sieht von oben nach unten die jüngeren bis zu den ältesten Epochen. In Pella reichen diese Schichten über einen ungewöhnlich langen Zeitraum, und das macht die Stätte für die Forschung wertvoll.
Ausgrabungen laufen hier seit vielen Jahrzehnten, vor allem unter Leitung australischer Teams. Für Besucher bedeutet das: Je nach Jahreszeit sehen Sie abgesteckte Grabungsflächen, Planen und Beschilderung. Sprechen Sie Archäologen nicht bei der Arbeit an, fotografieren Sie Funde nicht ohne Erlaubnis und betreten Sie gesperrte Bereiche nicht. Die Ergebnisse veröffentlichen die Teams in Fachpublikationen, die für Laien teils nur schwer zugänglich sind.
Welche Rolle spielte Pella im Handel und im Alltag?
Pella lag an einem Übergang zwischen Hochfläche und Jordantal. Karawanen und Händler nutzten solche Verbindungen, um Waren zwischen Mittelmeer und Wüstenrand zu transportieren. Die Tontafeln der Amarna-Zeit zeigen, dass der Ort schon in der späten Bronzezeit in Verwaltung und Schriftverkehr eingebunden war. Wohnhäuser, Speicher und Werkstätten liefern Hinweise auf den Alltag: Vorratshaltung, Töpferei, Weben und Landwirtschaft.
Wer genau hinschaut, entdeckt Alltagsspuren: Mahlsteine, Scherben, Reste von Rinnen und Zisternen. Die Wasserversorgung war zu allen Zeiten entscheidend und bestimmte, wo Menschen siedelten und wie groß der Ort werden konnte. Auch das erklärt, warum Pella so lange bestand.
Wie verhalte ich mich respektvoll auf dem Gelände?
- Bleiben Sie auf den Wegen und klettern Sie nicht auf Mauern oder Säulen.
- Nehmen Sie keine Scherben, Mosaiksteine oder anderen Funde mit. Auch kleine Stücke gehören zum Fundzusammenhang.
- Nehmen Sie Abfall wieder mit; es gibt nur wenige Behälter.
- Halten Sie Abstand zu Weidetieren und Hirten, die das Gelände gelegentlich nutzen.
- Fragen Sie bei Fotos von Menschen immer vorher um Erlaubnis.
Pella ist ein Ort, an dem Wissenschaft, Landwirtschaft und Tourismus nebeneinander bestehen. Wer sich entsprechend verhält, trägt dazu bei, dass dies so bleibt.
Wie ging es nach der Antike weiter?
Auch nach der byzantinischen Zeit blieb Pella bewohnt. Ausgrabungsfotos und Berichte beschreiben byzantinische und umayyadische Wohnviertel, die über älteren Schichten liegen. Ein Erdbeben im 8. Jahrhundert wird häufig als Einschnitt genannt, der viele Städte der Region traf. Danach schrumpfte die Stadt, und das Gelände wurde zeitweise nur noch landwirtschaftlich genutzt.
Die heutige Bezeichnung Tabaqat Fahl wird als Übertragung des antiken Namens verstanden. Er hat sich im Dorf erhalten, das in der Nähe liegt. Die Verbindung von antikem und modernem Namen ist ein schönes Beispiel dafür, wie lange die Kontinuität hier reicht.
Wie passt Pella in eine Rundreise?
Pella ist eher ein Zwischenstopp als ein Hauptziel. Wer mit dem Mietwagen im Norden unterwegs ist, kann es als ruhige Alternative zu den großen Stätten einplanen. Ein möglicher Tagesablauf: Frühstück in Irbid oder Ajloun, Vormittag in Pella, Mittagessen mit Blick auf das Jordantal und am Nachmittag Umm Qais. Bei Hitze im Sommer ist ein früher Start ratsam.
Für Familien gilt: Das Gelände ist offen, es gibt Absturzkanten und lose Steine. Kinder sollten beaufsichtigt werden. Der Reiz liegt im Entdecken, nicht in einem durchinszenierten Rundgang. Eine Taschenlampe ist nicht nötig, ein Fernglas dagegen macht Freude.
Wann ist die beste Zeit, und was sollte ich mitbringen?
Frühling und Herbst sind ideal. Im Jordantal ist es deutlich wärmer als auf der Hochfläche, im Sommer kann die Hitze schwer auszuhalten sein. Im Winter ist das Tal mild, nach Regen sind Wege rutschig. Packen Sie Wasser, Sonnenschutz, einen Hut und feste Schuhe ein. Verpflegung gibt es vor Ort nur begrenzt, nehmen Sie Proviant mit oder essen Sie in der Umgebung. Mehr zur Ausrüstung steht auf der Seite zur Packliste.
Sicher unterwegs Pella liegt im Jordantal im Nordwesten des Landes, in der Nähe der Grenze am Jordan und nicht weit von der syrischen Grenze. Das Auswärtige Amt rät (Stand Oktober 2026) dringend ab von Reisen in das syrisch-jordanische Grenzgebiet, den Nordosten und die Grenzregion zum Irak; von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile wird abgeraten. Prüfen Sie deshalb vor der Fahrt die aktuelle Sicherheitslage, bleiben Sie auf den Hauptstraßen, fahren Sie nicht bei Dunkelheit und befolgen Sie Anweisungen an Kontrollpunkten. Nähern Sie sich Grenzanlagen und militärischen Bereichen nicht.
Häufige Fragen zu Pella
Warum heißt Pella heute Tabaqat Fahl?
Der moderne Name geht auf eine arabische Form des antiken Namens zurück und hat sich im nahe gelegenen Dorf erhalten. Pella ist die griechische Bezeichnung aus hellenistischer Zeit.
Wie lange braucht man für Pella?
Für einen ersten Eindruck reichen zwei Stunden, wer alle Bereiche sehen und fotografieren möchte, plant drei bis vier Stunden. Mit der Anfahrt wird daraus ein halber bis ganzer Tag.
Was ist das Besondere an Pella?
Die Dichte der Epochen: Hier finden sich Siedlungsspuren von der Jungsteinzeit bis in islamische Zeit, dazu Tempel, ein Odeon und mehrere Kirchen. Das Gelände ist zudem ruhig und wenig besucht.
Kann ich Pella mit anderen Zielen verbinden?
Ja, mit Umm Qais, Ajloun und Jerash. Planen Sie bei mehreren Zielen einen frühen Start und prüfen Sie die Wegzeiten. Die Straßen im Norden sind kurvig und die Fahrzeiten länger, als die Karte vermuten lässt.
Pella zeigt, wie viele Schichten Jordaniens Geschichte hat. Weitere Stätten der Antike stellt der Bereich Highlights vor.