Little Petra (Siq al-Barid, „kalter Siq“) ist eine nabatäische Vorstadt rund neun Kilometer nördlich von Petra. In einer schmalen Schlucht liegen Fassaden, Räume und Wasserkanäle im Fels. Gleich nebenan zeigt Al-Beidha Spuren einer jungsteinzeitlichen Siedlung, und von hier führt ein Wanderweg zum Kloster von Petra.
Wer Petra besucht hat und mehr will, aber ohne Menschenmassen, kommt an Little Petra kaum vorbei. Die Schlucht ist eng, still und von Felswänden gesäumt, in die Nabatäer vor 2.000 Jahren Räume, Treppen und Fassaden geschlagen haben. Es ist nicht so groß und spektakulär wie die Hauptstadt, aber gerade deshalb sehr persönlich.
Dieser Beitrag zeigt, was es zu sehen gibt, wie der Wanderweg zum Kloster verläuft und wie sich ein Besuch am besten planen lässt.
Was ist Little Petra?
Siq al-Barid bedeutet auf Arabisch ungefähr „kühle Schlucht“, und der Name passt: Die Wände sind hoch, die Sonne dringt kaum bis zum Boden, selbst im Sommer bleibt es spürbar frischer als draußen. Little Petra war keine eigenständige Stadt, sondern ein Handelsvorort. Die Nabatäer, die mit Weihrauch, Myrrhe und Gewürzen handelten, benötigten Quartiere für Karawanen, Lager und Gäste. Die Schlucht bot Schutz, Wasser und Platz für Veranstaltungen.
Viele Räume dienten vermutlich als Speisesäle, in denen Händler und Gastgeber gemeinsam tafelten, andere als Wohn- oder Lagerplätze. Das Fehlen großer Monumente und Königsgräber unterstreicht den praktischen Charakter der Anlage. Dass sie dennoch dekoriert wurde, zeigt, wie sehr die Nabatäer auf Gastfreundschaft und Repräsentation Wert legten.
Was sehe ich beim Rundgang?
Der Rundgang führt Sie vom Eingangsbereich durch mehrere Engstellen und kleine Höfe. Auf beiden Seiten befinden sich in den Fels gehauene Fassaden mit Pilastern, Giebeln und Treppen. Manche Räume sind klein und schmucklos, andere haben Nischen, Bänke und Altäre. Besonders lohnend sind diese Stationen:
- Die Eingangsfassaden: Gleich zu Beginn stehen mehrere Fassaden mit klassizistischen Elementen, die einen ersten Eindruck der nabatäischen Architektur vermitteln.
- Treppen und Terrassen: Schmale Stufen führen auf erhöhte Plattformen, von denen aus sich die Schlucht überblicken lässt.
- Das bemalte Haus: Ein Raum mit Resten von Wandmalerei, die Ranken, Vögel und Blumen zeigt und zu den seltenen erhaltenen nabatäischen Malereien gehört.
- Wasserkanäle und Zisternen: Rinnen im Fels leiteten Regenwasser in Becken.
Für den Rundgang reichen meist ein bis zwei Stunden.
Warum ist das bemalte Haus so besonders?
Im Gegensatz zu den meisten nabatäischen Bauten, die nur noch als nackte Fassaden stehen, sind hier Reste von Fresken im Inneren erhalten. Auf Decke und Wänden eines kleinen Speiseraums finden sich florale Muster, Ranken und Vögel. Man vermutet Einflüsse aus der hellenistisch-römischen Welt, eingebunden in einen nabatäischen Stil. Die Bilder sind verblasst, aber sichtbar, und gelten als wertvolles Zeugnis der Kunst jener Zeit.
Der Zugang ist über eine Treppe möglich, Schutzmaßnahmen sind vorhanden. Berühren Sie die Wände nicht, und hören Sie auf Hinweise der Wächter. Ein Telefonlicht kann helfen, Details zu erkennen, ohne die Farben zu schädigen.
Was ist Al-Beidha und warum ist es archäologisch wichtig?
Rund 1,5 Kilometer nördlich von Little Petra liegt Al-Beidha, ein vorgeschichtliches Dorf aus der Jungsteinzeit. Die Siedlung wird auf etwa 9.000 Jahre geschätzt und gehört zu den bedeutenden Fundplätzen für die Erforschung des Übergangs von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern. Ausgegraben wurden runde und später rechteckige Häuser, Herde und Werkzeuge.
Für Besucher ist die Stätte weniger spektakulär als die Nabatäer-Fassaden, aber sie zeigt eine andere Zeitebene. Eine Tafel erklärt die Entwicklung; manche Reisende kombinieren den Besuch mit einer Wanderung. Wer sich für Frühgeschichte interessiert, kann hier erleben, dass die Region viel älter besiedelt ist, als die bekannten Namen vermuten lassen.
Wie verläuft die Wanderung nach Petra?
Von Little Petra beziehungsweise Al-Beidha führt ein markierter Weg über Hügel und durch Wadis bis zum Kloster von Petra. Die Strecke ist je nach Variante zwischen etwa zwei und vier Stunden lang. Sie beginnt mit einem sanften Abschnitt, geht in felsiges Gelände über und endet mit Treppen und einer kurzen Kletterpassage. Wer sie gegangen ist, erreicht das Kloster von hinten und spart so den langen Aufstieg über die Haupttreppe.
Wegen schlechter Markierung und Kletterstellen ist ein einheimischer Guide empfehlenswert. Er kennt den Weg, erklärt die Umgebung und sorgt für Sicherheit. Der Weg ist auch Teil des Jordan Trail, wird aber meist als Tageswanderung gegangen. Starten Sie früh, denn Mittagshitze und fehlender Schatten machen die Tour im Sommer anstrengend.
Wie nutzten die Nabatäer Wasser in dieser trockenen Gegend?
Die Nabatäer galten als Meister der Wasserwirtschaft. In einer Region mit wenig Niederschlag und starken, kurzen Regenfällen bauten sie Staudämme, Kanäle, Zisternen und Rinnen, die jeden Tropfen sammelten. Auch in Little Petra erkennen Sie noch Rillen am Fels, die das Wasser in Becken führten. Dieses System erlaubte es, Karawanen zu versorgen, Gärten zu bewässern und eine ganze Stadt in der Wüste zu betreiben. Wenn Sie aufmerksam gehen, sehen Sie an vielen Stellen kleine Bauten, die diesem Zweck dienten. Das macht Little Petra zu einem guten Ort, um die Ingenieurskunst hinter der berühmten Kulisse zu verstehen.
Zugleich erklärt dieses Wissen, warum die Nabatäer so lange mächtig blieben: Sie kannten die Wege, die Quellen und die Jahreszeiten und konnten dort handeln, wo andere scheiterten.
Was sollte ich fotografisch und praktisch beachten?
Die Schlucht ist schmal, das Licht wechselt schnell. Am Vormittag fallen Streiflichter in die oberen Bereiche, mittags ist es oft hell und hart, am späten Nachmittag wirkt der Fels warm. Ein Weitwinkelobjektiv hilft in den Engstellen. Seien Sie rücksichtsvoll gegenüber anderen Besuchern und gegenüber den Händlern; fragen Sie, bevor Sie Menschen fotografieren. Tragen Sie Schuhe mit gutem Profil, denn Stufen und Felsplatten können rutschig sein. Nehmen Sie Müll wieder mit; die Stätte ist empfindlich, und jedes Stück Abfall fällt auf.
Wie komme ich nach Little Petra?
Little Petra liegt etwa zehn Autominuten nördlich von Wadi Musa, dem Ort am Eingang zu Petra. Taxis und Fahrer bringen Sie hin, viele Hotels organisieren Transfers, und Mietwagenfahrer finden die Anlage leicht über die Hauptstraße. Große Infrastruktur gibt es kaum. Ein kleiner Parkplatz, einfache Stände mit Getränken und Souvenirs, mehr nicht.
Bringen Sie genug Wasser mit, tragen Sie feste Schuhe und rechnen Sie mit Beduinen, die Tee, Schmuck oder Führungen anbieten. Ein höfliches Nein genügt, wenn Sie nichts brauchen. Eintritt und Öffnungsregeln können sich ändern; prüfen Sie vorab, ob Ihr Jordan Pass Little Petra einschließt.
Wann ist die beste Zeit für den Besuch?
Frühling und Herbst bieten die angenehmsten Bedingungen. Im Sommer lohnt Little Petra wegen des Schattens besonders, doch am Hang ist es heiß. Im Winter kann es regnen, und in den engen Schluchten besteht dann Gefahr durch plötzliche Wasserfluten; folgen Sie den Hinweisen der Einheimischen und gehen Sie bei Regen nicht in enge Wadis. Am frühen Morgen und am späten Nachmittag ist das Licht besonders schön, und es ist ruhiger.
Wie lässt sich Little Petra in einen Petra-Aufenthalt einbauen?
Ideal ist eine Kombination: Vormittags Little Petra und Al-Beidha, mittags Pause in Wadi Musa, am Nachmittag oder am nächsten Tag Petra selbst. Wer zwei Nächte bleibt, kann die Wanderung zum Kloster als Highlight des zweiten Tages einplanen. Mit nur einem Tag ist Little Petra ein sinnvoller Ersatz für Reisende, die der Menge in Petra am Mittag ausweichen wollen.
Auf der Königsstraße passt der Besuch gut zwischen Shobak und Wadi Musa, weil der Umweg gering ist.
Für wen eignet sich Little Petra besonders?
Familien mit Kindern schätzen die überschaubare Größe und die Möglichkeit, überall hineinzuklettern, ohne weite Wege zurücklegen zu müssen. Reisende mit wenig Zeit nutzen Little Petra als Einstimmung vor dem Haupteingang. Fotografen und Ruhesuchende genießen die Morgenstunden. Und wer Petra schon kennt, entdeckt hier eine andere Seite der nabatäischen Kultur, die weniger monumental, dafür alltäglicher wirkt. Weniger geeignet ist der Besuch für Personen, die Barrierefreiheit brauchen, denn Wege und Stufen sind uneben. Auch im Hochsommer um die Mittagszeit sollten Sie die Wanderung zum Kloster lieber auf den frühen Morgen legen oder verschieben.
Welche Erlebnisse gibt es außerhalb der Ruinen?
Rund um Little Petra bieten Beduinen kleine Dienstleistungen an. Dazu gehören Tee am Feuer, Ausritte, Jeep-Fahrten und Führungen. Abends veranstalten manche Camps in der Umgebung Essen mit Musik. Wer in der Gegend übernachtet, genießt Sternenhimmel und Stille. Achten Sie darauf, dass Anbieter fair behandelt werden und dass Preise vorab vereinbart sind.
Sicher unterwegs Little Petra gehört zu den ruhigen Regionen im Süden. Dennoch sollten Sie sich vor jeder Reise informieren: Das Auswärtige Amt rät (Stand Oktober 2026) dringend ab von Reisen in das syrisch-jordanische Grenzgebiet, den Nordosten und die Grenzregion zum Irak; von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile wird abgeraten. Bei Wanderungen gilt zusätzlich: nicht allein gehen, Wetter beachten, bei Regen enge Schluchten meiden und die aktuelle Sicherheitslage prüfen.
Häufige Fragen zu Little Petra
Lohnt sich Little Petra, wenn man Petra besucht?
Ja, besonders wenn Sie Ruhe suchen oder mehr als einen Tag in Petra haben. Little Petra ist kleiner, aber sehr stimmungsvoll und lässt sich in ein bis zwei Stunden erkunden.
Wie weit ist Little Petra von Petra entfernt?
Etwa neun Kilometer nördlich von Wadi Musa, mit dem Auto rund zehn Minuten. Zu Fuß ist der Weg weit; nutzen Sie ein Taxi oder gehen Sie die Wanderung bis zum Kloster.
Brauche ich einen Guide für den Weg zum Kloster?
Empfohlen ist es. Der Pfad ist nicht überall klar markiert und enthält Kletterstellen. Ein Guide kennt die Route, erklärt die Landschaft und erhöht die Sicherheit.
Was ist Al-Beidha?
Eine jungsteinzeitliche Siedlung rund 1,5 Kilometer nördlich von Little Petra, etwa 9.000 Jahre alt. Sie zeigt den Übergang zu sesshaftem Leben und Ackerbau.
Little Petra ergänzt die Hauptstadt der Nabatäer um eine leise, persönliche Note. Weitere Etappen finden Sie in unseren Rundreisen.