Im Sechstagekrieg vom 5. bis 10. Juni 1967 verlor Jordanien das Westjordanland und Ostjerusalem an Israel. König Hussein war nach einem Verteidigungspakt mit Ägypten an dessen Seite in den Krieg eingetreten. Rund 700 jordanische Soldaten fielen, Hunderttausende Palästinenser flohen ans Ostufer. Der Krieg prägt die jordanische Politik bis zum Friedensvertrag von 1994 und darüber hinaus.

Für Jordanien war der Juni 1967 die schwerste Niederlage seiner Geschichte. Innerhalb von drei Tagen verlor das Königreich ein Gebiet, in dem ein großer Teil seiner Einwohner lebte, dazu seine fruchtbarsten Böden und mit der Jerusalemer Altstadt seinen wichtigsten Pilgerort. Diese Seite schildert Vorgeschichte, Verlauf an der jordanischen Front und Folgen; wie das Westjordanland 1948 überhaupt an Jordanien kam, lesen Sie auf unserer Seite zum Israelisch-Arabischen Krieg 1948.
| Auf einen Blick | Sechstagekrieg und Jordanien |
|---|---|
| Dauer des Krieges | 5. bis 10. Juni 1967 |
| Beteiligte | Israel gegen Ägypten, Jordanien und Syrien, mit irakischer Unterstützung |
| Jordanisch-ägyptischer Verteidigungspakt | 30. Mai 1967, jordanische Truppen unter ägyptischem Oberbefehl |
| Jordanische Truppen | etwa 55.000 Soldaten, davon rund 45.000 im Westjordanland, etwa 270 Panzer |
| Fall der Jerusalemer Altstadt | 7. Juni 1967 |
| Jordanische Verluste | rund 700 Tote, etwa 2.500 Verwundete, 533 Gefangene |
| Flüchtlinge ans Ostufer | Schätzungen von 200.000 bis über 300.000 Menschen |
| UN-Resolution 242 | 22. November 1967, Grundlage späterer Friedensverhandlungen |
Wie Jordanien in den Krieg geriet
Der 5. Juni an der jordanischen Front
Der Fall Ostjerusalems
Der Verlust des Westjordanlands
Flüchtlinge und wirtschaftliche Folgen
UN-Resolution 242
Karame 1968 und Schwarzer September
Der Weg zum Frieden 1994
Wie geriet Jordanien in den Sechstagekrieg?
Jordanien geriet vor allem durch die Dynamik der innerarabischen Politik in den Krieg. Seit Mitte der 1960er-Jahre starteten palästinensische Untergrundgruppen wie die Fatah Angriffe auf Israel, viele davon über jordanisches Gebiet. Am 13. November 1966 antwortete Israel mit einem großen Militärangriff auf das Dorf as-Samu südlich von Hebron, bei dem zahlreiche Häuser zerstört wurden; eine jordanische Einheit, die zu Hilfe eilte, erlitt schwere Verluste. Radiosender aus Kairo, Damaskus und Bagdad warfen König Hussein daraufhin vor, das Westjordanland nicht zu schützen, in mehreren Städten kam es zu Unruhen.
Im Mai 1967 spitzte sich die Lage zu. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser ließ am 16. Mai die UN-Friedenstruppe aus dem Sinai abziehen und sperrte am 22. Mai die Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt. Hussein, der sich politisch nicht isolieren lassen wollte, flog nach Kairo und unterzeichnete am 30. Mai einen Verteidigungspakt mit Ägypten. Jordaniens Armee wurde dem ägyptischen General Abdel Moneim Riad unterstellt, der am 1. Juni in Amman eintraf; irakische Truppen rückten nach Jordanien ein.
Was geschah am 5. Juni 1967 an der jordanischen Front?
Am Morgen des 5. Juni zerstörte die israelische Luftwaffe in einem Überraschungsangriff den Großteil der ägyptischen Luftwaffe am Boden. Israels Premierminister Levi Eshkol ließ Hussein über den Chef der UN-Waffenstillstandsbeobachter, Odd Bull, ausrichten, Israel werde nichts gegen Jordanien unternehmen, wenn es sich aus dem Krieg heraushalte. Hussein antwortete sinngemäß, es sei zu spät, die Würfel seien gefallen. Aus Kairo erreichten ihn zudem irreführende Siegesmeldungen; Feldmarschall Amer befahl General Riad den Angriff.
Jordanische Artillerie beschoss daraufhin Westjerusalem und weitere Ziele in Israel, jordanische Truppen besetzten das Gelände des UN-Hauptquartiers in Jerusalem. Israel schlug noch am selben Tag zurück: In zwei Angriffswellen zerstörte die Luftwaffe alle 21 Hawker-Hunter-Jäger Jordaniens sowie Transportflugzeuge und Hubschrauber. Von da an kämpften die jordanischen Bodentruppen ohne Luftschutz – ein entscheidender Nachteil im offenen Gelände des Westjordanlands.
Wie fiel Ostjerusalem?
Ab dem Abend des 5. Juni griffen israelische Fallschirmjäger die jordanischen Stellungen im Norden Jerusalems an. Am Munitionshügel (Ammunition Hill) kam es in der Nacht zum 6. Juni zu einem der härtesten Gefechte des Krieges: In rund vier Stunden Nahkampf fielen 36 israelische und 71 jordanische Soldaten. In Israel erinnert dort heute eine Gedenkstätte an die Schlacht.
Am 7. Juni drangen israelische Truppen durch das Löwentor in die Altstadt ein und erreichten den Tempelberg und die Klagemauer, ohne auf größeren Widerstand zu stoßen; die jordanischen Einheiten hatten sich bereits weitgehend zurückgezogen. Für Israel wurde die „Wiedervereinigung“ Jerusalems zu einem der emotionalsten Momente seiner Geschichte. Für Jordanien und die arabische Welt bedeutete der Verlust der Al-Aqsa-Moschee und des Felsendoms einen tiefen Schock. Die spätere Annexion Ostjerusalems durch Israel wird von den Vereinten Nationen und den meisten Staaten nicht anerkannt.
Wie verlor Jordanien das Westjordanland?
Das Westjordanland war mit den Mitteln der jordanischen Armee nicht zu halten. Bereits am 6. Juni ordnete das ägyptische Oberkommando den Rückzug über den Jordan an; Hussein zögerte, weil der UN-Sicherheitsrat eine Waffenruhe forderte, und ließ einige Einheiten zunächst ausharren. Das führte zu Verwirrung. Am 7. Juni erging ein zweiter Rückzugsbefehl, bis zum Abend war er ausgeführt. Am selben Tag nahmen israelische Truppen Nablus ein, Hebron fiel kampflos.
Jordanien akzeptierte die Waffenruhe; am 11. Juni trat sie für alle Fronten endgültig in Kraft. Die Bilanz war verheerend: rund 700 Gefallene, etwa 2.500 Verwundete und 533 Gefangene. Israel beherrschte nun das gesamte frühere Mandatsgebiet Palästina westlich des Jordan, dazu den Sinai und die Golanhöhen. Der Fluss, der zuvor durch das Königreich floss, wurde zur Waffenstillstandslinie.
Was bedeuteten Flucht und Verlust für Jordanien?
Während und nach den Kämpfen flohen Hunderttausende Palästinenser aus dem Westjordanland ans Ostufer. Der israelische Historiker Benny Morris schätzt ihre Zahl auf 200.000 bis 250.000, jordanische Angaben sprechen von mehr als 300.000. Für viele war es die zweite Vertreibung nach 1948. Neue Notlager entstanden, darunter Baqa’a nördlich von Amman, heute das größte Flüchtlingslager des Landes.
Auch wirtschaftlich war der Schlag schwer. Nach Angaben des jordanischen Königshauses lagen etwa 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche und die Hälfte der Industriebetriebe im Westjordanland, das Gebiet stand für rund 38 Prozent der Wirtschaftsleistung. Mit Jerusalem und Bethlehem verlor das Land zudem seine wichtigsten touristischen Ziele. Trotzdem zahlte Amman noch lange Gehälter und Pensionen von Beamten im Westjordanland weiter.
Was besagt die UN-Resolution 242?
Am 22. November 1967 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 242. Sie fordert den Rückzug Israels aus Gebieten, die im jüngsten Konflikt besetzt wurden, und im Gegenzug das Ende aller Kriegszustände sowie die Anerkennung des Rechts jedes Staates der Region, in sicheren und anerkannten Grenzen in Frieden zu leben. Dieses Prinzip wird oft als „Land für Frieden“ zusammengefasst.
Wie weit der geforderte Rückzug reicht, ist bis heute umstritten: Die englische Fassung spricht von einem Rückzug „aus Gebieten“ ohne bestimmten Artikel, was Israel als Spielraum für Grenzkorrekturen deutet, während die arabischen Staaten einen vollständigen Rückzug verlangen. Jordanien nahm die Resolution als Verhandlungsgrundlage an, die offizielle jordanische Darstellung schreibt König Hussein eine wichtige Rolle bei ihrer Entstehung zu. Zuvor hatten die arabischen Staaten auf dem Gipfel von Khartum im Spätsommer 1967 Frieden, Anerkennung und Verhandlungen mit Israel abgelehnt.
Was geschah in Karame 1968 und im Schwarzen September 1970?
Nach 1967 verlagerten palästinensische Kampfgruppen ihre Basen ins Jordantal. Am 21. März 1968 griff Israel das Dorf Karame an, in dem die Fatah ein Lager unterhielt. Jordanische Armee und Fedajin stellten sich gemeinsam entgegen, die israelischen Truppen zogen sich nach einem Tag mit Verlusten zurück. Beide Seiten reklamierten den Ausgang als Erfolg; in Jordanien und bei den Palästinensern gilt Karame als Symbol der Selbstbehauptung nach der Niederlage, und die Fedajin erhielten großen Zulauf.
Diese Stärke führte bald zum Konflikt mit dem Staat. Bewaffnete Gruppen traten zunehmend wie ein Staat im Staate auf, es kam zu Anschlagsversuchen auf den König und im September 1970 zu spektakulären Flugzeugentführungen. Im September 1970 ging die Armee gegen die Fedajin vor; syrische Panzer, die eingriffen, zogen sich nach wenigen Tagen zurück. Bis Juli 1971 verlegten die Kampfgruppen ihre Basen in den Libanon. Für Palästinenser ist dieser „Schwarze September“ eine bittere Erinnerung, die offizielle jordanische Sicht betont die Wiederherstellung staatlicher Ordnung; die Opferzahlen sind bis heute umstritten.
Wie führte der Weg zum Friedensvertrag von 1994?
Der Weg zum Frieden dauerte mehr als ein Vierteljahrhundert. Am 31. Juli 1988 löste König Hussein die rechtlichen und administrativen Bindungen Jordaniens an das Westjordanland und überließ die Vertretung der Palästinenser der PLO. Nach dem Osloer Abkommen zwischen Israel und der PLO 1993 unterzeichneten Hussein und Israels Premierminister Jitzchak Rabin am 25. Juli 1994 die Washingtoner Erklärung, die den Kriegszustand beendete.
Am 26. Oktober 1994 folgte der Friedensvertrag, unterzeichnet im Wadi Araba an der Grenze nördlich von Aqaba und Eilat. Er regelt Grenzverlauf, Wasserverteilung und Sicherheitsfragen; die Zukunft des Westjordanlands bleibt darin ausgeklammert und den israelisch-palästinensischen Verhandlungen vorbehalten. Die Rolle des Königshauses in dieser Zeit beschreibt unsere Seite über den König von Jordanien; den größeren Zusammenhang finden Sie im Überblick zur Geschichte Jordaniens.
Häufige Fragen zum Sechstagekrieg
Hat Jordanien Israel 1967 angegriffen?
Den ersten Schlag des Krieges führte Israel am 5. Juni gegen Ägypten. Jordanien eröffnete wenige Stunden später als Verbündeter Ägyptens das Feuer auf Westjerusalem und andere Ziele, obwohl Israel zugesichert hatte, Jordanien zu verschonen, falls es sich heraushalte. Wie diese Abfolge zu bewerten ist, beurteilen israelische und arabische Darstellungen unterschiedlich.
Warum heißt der Krieg Sechstagekrieg?
Die Kämpfe dauerten vom 5. bis zum 10. Juni 1967, also sechs Tage. In der arabischen Welt ist der Krieg auch als „an-Naksa“ bekannt, „der Rückschlag“, in Anlehnung an die Nakba von 1948.
Warum ging Hussein das Bündnis mit Nasser ein?
Hussein fürchtete, innenpolitisch die Kontrolle zu verlieren, wenn Jordanien abseitsstünde, während die arabische Öffentlichkeit Nasser feierte. Zudem rechnete er damit, dass Israel das Westjordanland ohnehin angreifen würde. Der Pakt sollte Jordanien vor Isolation schützen.
Kann man historische Orte des Krieges in Jordanien besuchen?
In Karame im Jordantal erinnert ein Denkmal an die Schlacht von 1968. Viele Schauplätze von 1967 liegen dagegen heute im Westjordanland und in Jerusalem, also außerhalb Jordaniens.
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Quellen und weiterführende Informationen: U.S. Department of State, Office of the Historian: The 1967 Arab-Israeli War, Königliches Haschemitisches Haus: The Disaster of 1967, Wikipedia: Six-Day War