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Geschichte Jordaniens: von den Nabatäern bis heute

Die Nabatäer: Händlervolk von Petra

Die Nabatäer waren ein arabisches Händlervolk, das aus Nomaden zu Herren der Weihrauchstraße wurde. Ihre Hauptstadt Petra im Süden Jordaniens kontrollierte Karawanenwege und sammelte Regenwasser in der Wüste. Ihr Reich endete 106 nach Christus, als Rom es als Provinz Arabia einverleibte.

Wer Petra, Little Petra oder das Wadi Rum besucht, trifft überall auf die Nabatäer: auf Felsfassaden, Wasserkanäle, Inschriften und Altäre. Trotzdem bleibt ihr Bild oft blass. Sie schrieben wenig über sich selbst, ihre Kultur ist vor allem aus Bauwerken, Münzen, Inschriften und den Berichten fremder Autoren bekannt. Umso eindrucksvoller ist, was sie im Fels hinterlassen haben.

Nabatäische Gräber und Felsfassaden im Sandstein bei Petra

Diese Seite erklärt, wer die Nabatäer waren, womit sie reich wurden, wie sie in der Wüste lebten, was sie glaubten und wie ihr Reich endete. Zum Schluss nennt sie die Orte in Jordanien, an denen Reisende ihre Spuren sehen können. Den größeren geschichtlichen Rahmen bietet die Seite zur Antike in Jordanien.

Wer waren die Nabatäer und woher kamen sie?

Die Nabatäer waren ein arabischer Stamm, der zunächst nomadisch lebte. Sie sprachen und schrieben eine Form des Aramäischen, die mit der Zeit arabische Züge annahm. Die frühesten schriftlichen Hinweise stammen aus dem vierten Jahrhundert vor Christus. Damals berichteten griechische Autoren von einem Volk, das im Gebiet südlich des Toten Meeres lebte und aus verborgenen Zisternen Wasser schöpfte, um sich vor Angreifern zu schützen.

Mit der Zeit wurden sie sesshaft, gründeten Siedlungen, bauten Handelsstationen und schufen ein Königreich. Es erstreckte sich im Höhepunkt von der Wüste Negev im Westen bis zum Hedschas im Süden, über das heutige Jordanien bis nach Syrien im Norden. Mit Petra als Mittelpunkt entstand eines der bedeutendsten Handelszentren des Altertums.

Womit wurden die Nabatäer reich?

Ihr Reichtum beruhte auf dem Karawanenhandel. Weihrauch und Myrrhe aus Südarabien, Gewürze aus Indien und andere Waren wanderten auf der sogenannten Weihrauchstraße nach Norden zu den Häfen am Mittelmeer. Die Nabatäer kannten die Wasserstellen und Routen und boten den Karawanen Schutz, Verpflegung und Orientierung. Dafür erhoben sie Zölle und Gebühren.

Petra lag günstig an einer Kreuzung der Wege und war dank seiner Felsen leicht zu verteidigen. Die Händler zahlten, die Nabatäer investierten in Zisternen, Straßen, Grabbauten und Tempel. Später kam der Handel über das Rote Meer hinzu, der Rom und die Mittelmeerwelt mit dem Osten verband. Mit Rom verband die Nabatäer ein wechselhaftes Verhältnis aus Bündnis und Rivalität, bis das Reich seine Eigenständigkeit verlor.

Wie überlebten die Nabatäer in der Wüste?

Ihr größtes Kapital war das Wasser. In einer Gegend mit wenig Regen sammelten sie jeden Tropfen. Sie bauten Dämme, Kanäle, Tonröhren und Zisternen, die das Wasser aus Seitentälern in die Stadt leiteten und Sturzfluten bremsten. In Petra gab es Brunnen und Becken, die auch bei Trockenheit Vorräte lieferten. Dieses System machte aus der Wüstenstadt eine Oase mit Gärten und Bäumen.

Auch die Landwirtschaft nutzte solche Techniken: Terrassen an den Hängen fingen Regen auf, und kleine Mauern lenkten Wasser auf Felder. Diese Anlagen sind in der Umgebung von Petra und im Wadi Rum bis heute zu erkennen. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, achtet beim Wandern auf Steinreihen und in den Fels gehauene Rinnen.

Wer regierte die Nabatäer?

Das Reich wurde von Königen regiert, deren Namen sich auf Münzen und Inschriften erhalten haben. Besonders bekannt ist Aretas IV., der im ersten Jahrhundert vor und nach Christus regierte und unter dem Petra seine Blütezeit erlebte. In seine Zeit fallen viele der großen Grabbauten, darunter vermutlich das Schatzhaus. Der letzte König war Rabbel II., unter dem das Reich 106 nach Christus an Rom fiel.

Die Königin spielte eine sichtbare Rolle: Auf Münzen erscheinen Könige gemeinsam mit ihren Frauen, ein ungewöhnlicher Brauch in der Antike. Das Reich wurde nach außen durch Bündnisse, Tribute und Verträge gesichert. Wie genau die Verwaltung aussah, ist nur teilweise bekannt, weil kaum Schriftstücke erhalten sind. Umso wichtiger sind die Inschriften an den Felsen.

Wie bauten die Nabatäer ihre Gräber und Tempel?

Charakteristisch ist die Technik, Gebäude nicht aus Steinen zu errichten, sondern von oben nach unten aus dem Fels zu hauen. Die Handwerker begannen am Gipfel des Felsens und arbeiteten sich hinab, sodass sie kein Gerüst brauchten. So entstanden Fassaden mit Säulen, Giebeln und Friesen, hinter denen oft nur eine einfache Kammer liegt. Die Wirkung beruht auf dem äußeren Auftritt.

Typisch sind Hörnerkapitelle, Stufenzinnen und Fassaden, die hellenistische Formen mit orientalischen Elementen mischen. Den Stufenzinnen nach unterscheiden Fachleute ältere von jüngeren Gräbern. Wer in Petra aufmerksam geht, erkennt diese Unterschiede schnell: einfache Blockgräber, Zinnengräber, Fassaden mit Säulen und Giebeln. Sie erzählen die Entwicklung des Reiches in Stein.

Welche Götter verehrten die Nabatäer?

Die wichtigste Gottheit war Dushara, ein Gott der Berge und der Sonne, dessen Name „Herr des Shara-Gebirges“ bedeutet. Neben ihm stand die Göttin Al-Uzza, die oft mit Venus verbunden wird, und weitere arabische Gottheiten. Dargestellt wurden die Götter häufig nicht als Menschengestalt, sondern als Blöcke und Stelen aus Stein, die als Sitz des Gottes galten.

Darum finden Sie in Petra viele Kultnischen mit Steinblöcken, die sogenannten Betyle, sowie Obelisken wie auf dem Hohen Opferplatz. Später übernahmen die Nabatäer auch griechische und römische Einflüsse, was sich an Kapitellen und Reliefs zeigt. Ihre Tempel und Gräber verbinden orientalische Formen mit hellenistischer Architektur.

Wie schrieben die Nabatäer und was blieb davon?

Die Nabatäer schrieben Aramäisch in einer eigenen Schriftform. Diese nabatäische Schrift entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte weiter und gilt als wichtiger Vorläufer der arabischen Schrift. Inschriften finden sich an Grabfassaden, Felswänden und Altären, auch im Wadi Rum. Sie nennen Namen, Weihungen und Besitzverhältnisse und sind damit eine der wichtigsten Quellen.

Daneben haben sich Münzen, Keramik und Fundstücke erhalten. Besonders typisch ist die dünnwandige, bemalte Keramik, die als eine der feinsten des antiken Orients gilt. Beim Rundgang durch das Museum von Petra und das Museum in Amman sehen Sie solche Funde aus nächster Nähe.

Wie endete das Reich der Nabatäer?

Im Jahr 106 nach Christus ließ Kaiser Trajan das Nabatäerreich in das Römische Reich eingliedern. Es wurde zur Provinz Arabia mit der Hauptstadt Bosra im heutigen Syrien. Petra blieb zunächst bedeutend, verlor aber nach und nach seinen Rang, weil sich die Handelswege verlagerten und Seewege wichtiger wurden. Ein schweres Erdbeben im vierten Jahrhundert richtete große Schäden an, ein weiteres folgte später.

Die Stadt wurde in byzantinischer Zeit christlich geprägt, in der islamischen Epoche verlor sie ihre Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Für Europa wurde Petra 1812 wiederentdeckt, als der Schweizer Reisende Johann Ludwig Burckhardt es besuchte. Seit 1985 gehört die Stätte zum UNESCO-Welterbe. Die Nabatäer selbst verschwanden nicht plötzlich, sondern gingen nach und nach in der Bevölkerung der Region auf.

Wo kann man in Jordanien Spuren der Nabatäer besuchen?

Der wichtigste Ort ist Petra mit dem Schatzhaus, den Königsgräbern, der Straße der Fassaden, dem Theater und dem Kloster. Unweit davon liegt Little Petra, eine kleinere Anlage mit Gräbern und Triklinien, die sich ruhiger erleben lässt. Im Wadi Rum finden Sie nabatäische Inschriften und die Reste eines Tempels.

Weitere Orte sind die Fundstätten im Umland von Wadi Musa, Wasserbauten in Seitentälern und der Tempel von Khirbet et-Tannur, dessen Funde im Museum in Amman gezeigt werden. Auch die Wüstenstadt Hegra in Saudi-Arabien gehörte zum Reich; sie ist seit 2008 UNESCO-Welterbe. Wer die Nabatäer in Jordanien verstehen möchte, beginnt in Petra und besucht anschließend ein ruhigeres Tal.

Welche Rolle spielten die Nabatäer für Rom und die Region?

Die Nabatäer standen zwischen Großmächten. Im Westen lag das Reich der Ptolemäer und später Rom, im Norden das Seleukidenreich und Syrien, im Osten die Parther. Sie nutzten diese Lage geschickt, verhandelten mit allen Seiten und blieben lange unabhängig. Als Rom seine Macht im Osten festigte, wurde die Selbständigkeit eingeschränkt, bis das Reich 106 endete.

Auch kulturell wirkten die Nabatäer weiter. Ihre Schrift, ihre Wasserbaukunst und ihre Handelsnetze beeinflussten die Region. Die römische Provinz Arabia profitierte von den Straßen und Märkten, die die Nabatäer aufgebaut hatten. Im heutigen Jordanien sind sie bis heute ein Teil der Identität, was sich in der Bedeutung Petras für Tourismus und Nationalgefühl zeigt.

Wie plane ich einen Besuch mit Blick auf die Nabatäer?

Planen Sie für Petra mindestens einen vollen Tag ein und nehmen Sie sich Zeit für das Museum, die Kolonnadenstraße und die Seitentäler. Wer sich für Wasserbau und Landschaft interessiert, geht auf einem Wanderweg wie dem Hohen Opferplatz abseits der Hauptstraße. Einen Führer, der Inschriften erklärt, sollten Sie vorab buchen oder über Ihr Hotel in Wadi Musa vermitteln lassen.

Sicher unterwegs Das Auswärtige Amt rät (Stand Oktober 2026) dringend ab von Reisen in das syrisch-jordanische Grenzgebiet, den Nordosten und die Grenzregion zum Irak; von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile wird abgeraten. Auch an archäologischen Stätten gelten die Anweisungen des Personals; bleiben Sie auf den Wegen und klettern Sie nicht auf Mauern. Mehr dazu auf der Seite zur aktuellen Sicherheitslage.

Häufige Fragen zu den Nabatäern

Wer waren die Nabatäer?

Die Nabatäer waren ein arabisches Händlervolk, das von Petra aus den Karawanenhandel mit Weihrauch, Myrrhe und Gewürzen kontrollierte und in der Wüste ein Königreich aufbaute.

Wann endete das Reich der Nabatäer?

Im Jahr 106 nach Christus wurde das Nabatäerreich von den Römern als Provinz Arabia eingegliedert.

Woran glaubten die Nabatäer?

Sie verehrten arabische Gottheiten, vor allem Dushara und Al-Uzza, die oft als Stein-Stelen dargestellt wurden. Später kamen griechische und römische Einflüsse hinzu.

Wo sehe ich Spuren der Nabatäer in Jordanien?

Vor allem in Petra und Little Petra, außerdem im Wadi Rum, wo es Inschriften und die Reste eines Tempels gibt, sowie in kleineren Fundstätten bei Wadi Musa.

Wer die Nabatäer kennt, sieht Petra mit anderen Augen. Weitere Hintergründe finden Sie im Bereich Geschichte.