Der Jordan Trail ist ein rund 675 Kilometer langer Fernwanderweg, der Jordanien vom grünen Norden bei Umm Qais bis ans Rote Meer in Aqaba durchquert. In etwa 40 Etappen führt er durch Olivenhaine, tiefe Wadis, das Dana-Reservat, versteckt über den Höhenweg nach Petra und schließlich durch die Wüste des Wadi Rum – Fernwandern der Spitzenklasse.
Wer Jordanien zu Fuß erlebt, sieht ein anderes Land: Dörfer abseits der Touristenpfade, Beduinen, die zum Tee einladen, und Landschaften, die man vom Auto aus nie erreicht. Der Jordan Trail wurde 2017 als durchgehende Route eröffnet und gilt heute als einer der großen Weitwanderwege des Nahen Ostens. Man muss ihn nicht am Stück gehen – die meisten Reisenden pflücken sich einzelne, besonders schöne Abschnitte heraus und bauen sie in eine Rundreise ein.

Wie ist der Jordan Trail gegliedert?
Der Weg besteht aus acht großen Regionen-Abschnitten, die jeweils mehrere Tagesetappen umfassen:
- Umm Qais bis Ajloun: grüner Norden mit Olivenhainen, Waldstücken und Blick über das Jordantal.
- Ajloun bis Fuheis: Hügelland, Dörfer und die Annäherung an die Hauptstadtregion.
- Fuheis bis Zarqa Ma’in: Wadis und heiße Quellen oberhalb des Toten Meeres.
- Karak bis Dana: weite Hochebenen und der Übergang ins größte Naturreservat des Landes.
- Dana bis Petra: die berühmteste Sektion – vier bis fünf Tage durch Sandsteinschluchten bis zum spektakulären Zustieg nach Petra „über die Hintertür“.
- Petra bis Wadi Rum: immer tiefer in die Wüste, mit ersten roten Felstürmen.
- Wadi Rum bis Aqaba: Wüstendurchquerung mit Finale am Roten Meer.
Welche Etappe ist die schönste?
Fast einhellig gilt der Abschnitt Dana bis Petra als Höhepunkt. In vier bis fünf Tagen wandert man vom Bergdorf Dana durch immer wildere Sandsteinlandschaften, übernachtet in Beduinencamps und erreicht Petra schließlich über den Höhenweg von oben – ein Ankommen, das kein Tagesbesucher erlebt. Diese Sektion braucht Kondition, Trittsicherheit und einen lokalen Guide, belohnt aber mit einer der eindrucksvollsten Wanderungen der Welt.
Muss man den ganzen Weg gehen?
Nein – und die wenigsten tun es. Die komplette Durchquerung dauert fünf bis sechs Wochen und ist eine echte Expedition. Für die meisten Reisenden sind einzelne Etappen die richtige Wahl: ein Tag im grünen Norden, zwei Tage im Dana-Reservat oder die mehrtägige Dana-Petra-Sektion als Herzstück eines Aktivurlaubs. So lässt sich Fernwandern mit den klassischen Höhepunkten kombinieren, wie sie unsere 10-Tage-Rundreise beschreibt.
Braucht man einen Guide?
Für die meisten Abschnitte lautet die klare Empfehlung: ja. Der Weg ist nur teilweise markiert, Wasserstellen sind rar und die Orientierung in den Wadis ist anspruchsvoll. Lokale Guides kennen die Quellen, organisieren Gepäcktransport und Verpflegung und öffnen Türen zur Gastfreundschaft der Dörfer und Beduinen. Für die Sektion Dana–Petra und alle Wüstenetappen ist ein Guide ohnehin vorgeschrieben. Nur einzelne, gut markierte Nordetappen lassen sich mit guter Vorbereitung eigenständig gehen.
Wie anspruchsvoll ist der Jordan Trail?
Der Weg verlangt solide Grundkondition und Trittsicherheit. Es geht viel bergauf und bergab, oft über Geröll und in praller Sonne ohne Schatten. Tagesetappen von 15 bis 25 Kilometern mit mehreren hundert Höhenmetern sind normal. Technische Kletterei ist selten, aber Ausdauer und Hitzeverträglichkeit sind entscheidend. Wer regelmäßig wandert, meistert die klassischen Etappen gut; für die Mehrtagestouren empfiehlt sich vorbereitendes Training. Leichtere Alternativen bieten die Dana-Tageswanderungen.
Wann ist die beste Zeit zum Wandern?
Frühling (März bis Mai) ist die Hauptsaison: gemäßigte Temperaturen, blühende Landschaften und noch führende Quellen. Der Herbst (September bis November) ist die zweite gute Zeit mit stabilem, klarem Wetter. Der Sommer ist in den tieferen Wadis und der Wüste zu heiß zum Weitwandern, der Winter im Hochland zu kühl und nass, mit Sturzflutgefahr in den Schluchten. Details zum Klima liefert unser Überblick zur besten Reisezeit.
Wie organisiert man Unterkunft und Gepäck?
Auf den beliebten Sektionen übernachtet man in Beduinencamps, einfachen Gästehäusern oder im Zelt. Viele Reisende buchen eine geführte Tour, bei der Gepäcktransport, Verpflegung und Camps organisiert sind – das entlastet den Rücken und sichert die Logistik in wasserarmen Gebieten. Wer eigenständig geht, muss Wasser für lange Abschnitte tragen und Etappen sorgfältig planen. Unterkunftsgrundlagen für die An- und Abreisestädte finden Sie unter Hotels.
Ist Fernwandern in Jordanien sicher?
Der Jordan Trail verläuft im sicheren Landesinneren, weit entfernt von den Grenzregionen, auf die sich die Reisehinweise des Auswärtigen Amts konzentrieren. Die realen Risiken sind natürlicher Art: Hitze, Dehydrierung, Sturzfluten in den Wadis nach Regen und anspruchsvolles Gelände. Ein ortskundiger Guide, ausreichend Wasser und die richtige Jahreszeit minimieren diese Gefahren. Verfolgen Sie dennoch die aktuelle Lage – unsere Seite Sicherheit & aktuelle Lage ordnet sie ehrlich ein und verlinkt die offiziellen Quellen.
Wie steht es um Wasser und Verpflegung unterwegs?
Wasser ist die größte logistische Herausforderung des Jordan Trail. Natürliche Quellen sind unregelmäßig verteilt und in trockenen Jahren unzuverlässig, deshalb müssen Wanderer oft Wasser für einen ganzen Tag oder länger tragen – bei Hitze schnell vier Liter und mehr pro Person. Geführte Touren lösen das über Versorgungsfahrzeuge und Depots; Individualwanderer planen Wasserstellen akribisch und filtern Quellwasser. Bei der Verpflegung setzt man auf haltbare Vorräte, ergänzt durch Einkäufe in den Dörfern und – auf den beliebten Etappen – warme Mahlzeiten in Beduinencamps. Wer über Veranstalter bucht, wird oft mit frisch zubereitetem Essen überrascht, das der beduinischen Küche entspringt.
Welche Ausrüstung braucht man?
Die Grundausstattung entspricht der einer alpinen Mehrtageswanderung, angepasst an Wüste und Hitze:
- Schuhe: feste, eingelaufene Trekkingschuhe mit gutem Profil für Geröll und Fels.
- Sonnenschutz: Hut, Sonnenbrille, hoher Lichtschutzfaktor und ein leichtes Tuch (Shemagh) gegen Sonne und Sand.
- Wasser: Kapazität für mindestens vier Liter, plus Filter oder Entkeimungstabletten.
- Warme Schicht & Schlafsack: Wüstennächte werden kalt, auch im Frühling.
- Navigation: GPS-Track, Powerbank und Offline-Karten – Mobilfunk ist streckenweise nicht verfügbar.
Zelt und Kochausrüstung braucht nur, wer eigenständig geht; bei geführten Touren sind Camps gestellt.
Was kostet eine Jordan-Trail-Wanderung?
Die Kosten hängen stark vom Stil ab. Wer eigenständig einzelne Nordetappen geht, kommt günstig weg – abgesehen von Anreise und Verpflegung. Für die Sektion Dana–Petra oder Wüstenetappen mit vorgeschriebenem Guide fallen Tagessätze für Führung, Gepäcktransport, Camps und Verpflegung an; mehrtägige geführte Touren bewegen sich schnell im dreistelligen Euro-Bereich pro Tag, je nach Gruppengröße und Komfort. Dafür ist die Logistik gelöst und man unterstützt die lokalen Gemeinschaften direkt. Eine Einordnung der allgemeinen Reisekosten liefert unser Ratgeber Kosten & Budget.
Gibt es geführte Touren – und für wen lohnen sie sich?
Für die meisten Reisenden sind geführte Touren die beste Wahl. Spezialisierte lokale Veranstalter und die Jordan Trail Association organisieren feste Termine für die beliebten Sektionen, allen voran Dana–Petra, inklusive Guide, Gepäcktransport, Camps und Verpflegung. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man wandert mit leichtem Gepäck, muss sich nicht um Wasser und Logistik sorgen und profitiert vom Wissen der Guides über Wege, Quellen und die Menschen der Region. Auch geführte Gruppenreisen ab Deutschland nehmen den Jordan Trail zunehmend ins Programm. Wer maximale Freiheit sucht und Erfahrung im wüstennahen Trekking mitbringt, kann einzelne Nordetappen eigenständig gehen – die abgelegenen und die Wüstenabschnitte bleiben jedoch Guide-Pflicht. Anschlussideen für Aktivurlaub bündelt der Bereich Aktiv & Natur.
Häufige Fragen zum Jordan Trail
Wie lange dauert der komplette Jordan Trail?
Für die gesamte Strecke von Umm Qais bis Aqaba plant man rund 40 Wandertage, also etwa fünf bis sechs Wochen. Die meisten Wanderer gehen jedoch nur ausgewählte Abschnitte von wenigen Tagen.
Welche Sektion ist die berühmteste?
Die Etappe Dana bis Petra über vier bis fünf Tage. Sie führt durch spektakuläre Sandsteinlandschaften und endet mit dem Zustieg nach Petra über den Höhenweg – ein Erlebnis, das Tagesbesucher nie erleben.
Kann ich ohne Guide wandern?
Nur einzelne, gut markierte Nordetappen sind eigenständig machbar. Für Dana–Petra und die Wüstenabschnitte ist ein lokaler Guide vorgeschrieben und generell dringend empfohlen, da Markierung und Wasserstellen dünn sind.
Wie fit muss ich sein?
Solide Grundkondition und Trittsicherheit sind Pflicht. Tagesetappen von 15–25 Kilometern mit mehreren hundert Höhenmetern und Hitze verlangen Ausdauer. Regelmäßige Wanderer bewältigen die klassischen Etappen gut.