Jordanien ist ein überraschend vielseitiges Aktivreiseland: Der Fernwanderweg Jordan Trail durchquert das ganze Land, das Dana-Biosphärenreservat und der Wadi Mujib Siq Trail bieten spektakuläre Wanderungen, im Wadi Rum locken Wüstentouren und Beduinencamps, und am Roten Meer bei Aqaba warten Korallenriffe zum Tauchen und Schnorcheln. Beste Zeit für Aktivitäten sind Frühling und Herbst.
Wer Jordanien nur als Kulturreiseland kennt, unterschätzt seine Natur. Zwischen dem grünen Norden, den tiefen Canyons am Toten Meer, der roten Wüste im Süden und dem Korallenmeer bei Aqaba liegt eines der abwechslungsreichsten Outdoor-Reviere des Nahen Ostens. Dieser Überblick führt Sie zu den besten Wanderungen, Wüstenerlebnissen und Wassersport-Spots – mit ehrlicher Praxis-Info zu Ausrüstung, Guides und Saison.
Wo kann man in Jordanien wandern?
Jordanien hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Wanderziel entwickelt. Die Landschaft reicht von bewaldeten Hügeln im Norden bis zu tiefen Wüstencanyons im Süden. Die wichtigsten Reviere:
- Dana-Biosphärenreservat: Jordaniens größtes Naturschutzgebiet, das vier Vegetationszonen umfasst. Vom Bergdorf Dana führen Wege hinab durch den Wadi Dana bis in die Wüste – eine der schönsten Tageswanderungen des Landes.
- Wadi Mujib: der spektakuläre „Grand Canyon Jordaniens“ nahe dem Toten Meer. Der geführte Siq Trail führt durch eine wasserdurchflossene Schlucht, teils schwimmend und kletternd – ein einzigartiges Canyoning-Erlebnis.
- Petra abseits der Hauptwege: Rund um die Felsenstadt gibt es Wanderrouten wie den Aufstieg zum Kloster Ad Deir, zum High Place of Sacrifice oder den anspruchsvollen Weg über Al-Khubtha zum Blick auf das Schatzhaus.
- Ajloun-Wälder im Norden: sanfte, grüne Wanderwege durch Eichen- und Pistazienwälder – ideal im Frühling.
Was ist der Jordan Trail?
Der Jordan Trail ist ein Fernwanderweg, der Jordanien über rund 650 Kilometer von Umm Qais im Norden bis Aqaba am Roten Meer durchquert. In etwa 40 Etappen verbindet er Dörfer, Wadis, die Königsstraße, Dana, Petra und das Wadi Rum. Wer nicht die gesamte Strecke geht, wählt einzelne Abschnitte – besonders beliebt ist die viertägige Etappe von Dana nach Petra, die zu Fuß in der Felsenstadt endet. Der Weg ist markiert, doch für längere Abschnitte empfehlen sich lokale Guides, die auch Verpflegung, Wasser und Übernachtung in Dörfern oder Camps organisieren.
Wie erlebt man die Wüste Wadi Rum aktiv?
Das Wadi Rum ist das Herz des jordanischen Aktivtourismus. Neben den klassischen Jeep-Touren gibt es hier viel zu unternehmen: Kamelritte auf beduinische Art, mehrtägiges Wüstentrekking, das Erklimmen des Jebel Umm ad Dami (mit 1.854 m höchster Berg des Landes) sowie Klettern und Scrambling an den steilen Sandsteinwänden. Ein besonderes Erlebnis ist die Ballonfahrt bei Sonnenaufgang über die roten Dünen. Übernachtet wird im Beduinencamp – vom einfachen Zelt bis zum komfortablen Bubble-Tent mit Sternenblick.
Wo kann man am Roten Meer tauchen und schnorcheln?
Aqaba ist Jordaniens einziger Meereszugang und ein zugängliches Tauchrevier: Viele Spots erreicht man direkt vom Ufer. Höhepunkte sind das versenkte Frachtschiff Cedar Pride, der farbenreiche Japanese Garden und ein Unterwasser-„Militärmuseum“ aus versenkten Fahrzeugen. Tauchbasen bieten Kurse vom Schnuppertauchen bis zum Zertifikat; wer nicht tauchen möchte, sieht schon beim Schnorcheln an den Hausriffen bunte Korallen und Fische. Das Rote Meer bei Aqaba ist ruhiger und weniger überlaufen als viele Spots der ägyptischen Küste.
Welche Aktivitäten eignen sich für Familien?
Jordanien lässt sich gut aktiv mit Kindern erleben: kurze Dünenwanderungen und Jeep-Touren im Wadi Rum, Schnorcheln in den ruhigen Buchten von Aqaba, eine Übernachtung im Wüstencamp und leichte Wege in Dana oder den Ajloun-Wäldern. Anspruchsvolle Touren wie der Wadi Mujib Siq Trail (mit Strömung und Kletterstellen) haben Mindestalter- und Größenvorgaben – hier vorab die Bedingungen prüfen. Wichtig sind überall Sonnenschutz, feste Schuhe und ausreichend Wasser.
Wann ist die beste Zeit für Aktivreisen?
Für Wandern und Wüstentouren sind Frühling (März–Mai) und Herbst (September–November) ideal: warme, aber erträgliche Tage und kühle Nächte. Der Hochsommer ist im Süden und in den Canyons sehr heiß – Wanderungen dann nur früh morgens. Der Wadi Mujib Siq Trail ist wegen der Wasserführung meist nur von etwa April bis Oktober geöffnet. Tauchen und Schnorcheln in Aqaba sind ganzjährig möglich, das Wasser bleibt auch im Winter angenehm. Details im Überblick zur besten Reisezeit.
Wie plane ich eine Aktivreise nach Jordanien?
Aktiv-Bausteine lassen sich gut in eine Rundreise einbauen: ein Wandertag in Dana, der Siq Trail am Toten Meer, eine Wüstennacht im Wadi Rum und Schnorcheln zum Abschluss in Aqaba. Wer schwerpunktmäßig wandert, plant mehr Zeit ein und kombiniert einzelne Jordan-Trail-Etappen. Ausrüstung wie feste Wanderschuhe, Sonnenschutz und eine warme Schicht für die Nächte gehören ganzjährig ins Gepäck.
Welche Ausrüstung braucht man für Aktivreisen?
Die richtige Ausstattung entscheidet über den Genuss. Für Wanderungen gehören feste, eingelaufene Schuhe, Sonnenhut, Sonnenbrille, hoher Lichtschutzfaktor und mindestens zwei bis drei Liter Wasser pro Person ins Gepäck. Weil die Nächte in Wüste und Bergland stark abkühlen, ist ganzjährig eine warme Schicht sinnvoll, im Winter sogar Mütze und dickere Jacke. Für den Wadi Mujib Siq Trail eignen sich Schuhe, die nass werden dürfen; wertvolle Elektronik gehört in einen wasserdichten Beutel. Beim Tauchen und Schnorcheln in Aqaba lässt sich Ausrüstung vor Ort leihen. Ein kleines Erste-Hilfe-Set, Elektrolyte gegen die Hitze und eine Stirnlampe fürs Camp runden die Packliste ab.
Ist Jordanien ein Ziel für Vogelbeobachter?
Jordanien liegt an einer der wichtigsten Zugvogelrouten der Welt: Im Frühjahr und Herbst ziehen Hunderttausende Greifvögel, Störche und Singvögel über das Land, das eine Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika bildet. Feuchtgebiete wie das Reservat Azraq in der Ostwüste und die Klippen entlang des Jordangrabens sind Hotspots. Auch in Dana und am Roten Meer lässt sich eine bemerkenswerte Vielfalt beobachten. Wer sich für Wildtiere interessiert, findet in den Naturreservaten der Königlichen Gesellschaft zum Schutz der Natur (RSCN) geführte Angebote – ein ruhiger Kontrast zu den großen Sehenswürdigkeiten.
Für wen eignen sich Canyoning und Klettern?
Jordanien hat sich zu einem Ziel für Abenteuersport entwickelt. Beim Canyoning – etwa im Wadi Mujib oder in den Schluchten rund um das Tote Meer – geht es schwimmend, kletternd und rutschend durch wasserführende Felsspalten; nötig sind Grundfitness und Schwindelfreiheit, Führung ist Pflicht. Klettern und Scrambling im Wadi Rum reicht von leichten beduinischen Routen auf Aussichtsfelsen bis zu anspruchsvollen Mehrseillängen an den Sandsteinwänden – hier ist Erfahrung oder ein qualifizierter Guide erforderlich. Für Einsteiger sind geführte Halbtagestouren ideal, um die Wüste einmal senkrecht statt waagerecht zu erleben.
Kann man in Jordanien Rad fahren?
Ja – Radreisen gewinnen an Beliebtheit. Der Jordan Bike Trail zieht sich, ähnlich dem Wanderweg, von Norden bis Aqaba und verbindet Dörfer, Wadis und Höhepunkte über Schotter- und Nebenstraßen. Die Strecke ist anspruchsvoll (Höhenmeter, Hitze, Wasserversorgung) und wird meist etappenweise mit Begleitung gefahren. Für die meisten Reisenden bleibt das Rad ein Nischen-Baustein, doch für konditionsstarke Aktivurlauber ist es eine intensive Art, das Land zu erleben – am besten im Frühjahr oder Herbst.
Häufige Fragen zu Aktiv & Natur
Kann man in Jordanien gut wandern?
Ja, sehr gut. Vom Dana-Biosphärenreservat über den Wadi Mujib Siq Trail bis zu den Wegen rund um Petra gibt es Touren für jedes Niveau. Der Fernwanderweg Jordan Trail durchquert das ganze Land; besonders beliebt ist die Etappe von Dana nach Petra.
Was ist der Wadi Mujib Siq Trail?
Eine geführte Canyoning-Tour durch eine wasserdurchflossene Schlucht nahe dem Toten Meer, teils schwimmend und kletternd. Der Trail ist wegen der Strömung meist nur von etwa April bis Oktober geöffnet und hat Mindestanforderungen an Alter und Fitness.
Lohnt sich Tauchen in Aqaba?
Ja. Das Rote Meer bei Aqaba hat intakte Korallenriffe, viele direkt vom Ufer erreichbar, darunter das Wrack Cedar Pride und der Japanese Garden. Es ist ruhiger als viele ägyptische Spots. Tauchbasen bieten Kurse; zum Schnorcheln genügen oft die Hausriffe.
Braucht man für Wanderungen einen Guide?
Für kurze, markierte Wege nicht zwingend. Für längere Jordan-Trail-Etappen, Wüstentrekking im Wadi Rum und den Wadi Mujib Siq Trail sind Guides empfehlenswert oder vorgeschrieben – sie organisieren Wasser, Verpflegung und Sicherheit.