
Im Sommer 2026 feierte das Jerash Festival für Kultur und Künste sein 40. Jubiläum – und machte die antike Römerstadt Gerasa erneut zum kulturellen Mittelpunkt des Nahen Ostens. Vom 23. Juli bis zum 2. August 2026 verwandelte sich das weitläufige archäologische Gelände in eine lebendige Bühne für Konzerte, Theater, Folklore und Lichtshows. Wer Jordanien auf einer Rundreise erkundet, sollte Jerash unbedingt auf dem Programm haben – denn die Stadt ist nicht nur spektakulär, sondern kämpft schon seit Jahrzehnten um einen Platz auf der offiziellen UNESCO-Welterbeliste.

Das 40. Jerash Festival: Zahlen, Orte und das Programm 2026
Was 1981 unter der Schirmherrschaft von Königin Noor als regionales Kulturfestival begann, ist heute eines der bedeutendsten Freiluftfestivals im gesamten arabischsprachigen Raum. Das Jerash Festival für Kultur und Künste zieht jedes Jahr Hunderttausende Besucherinnen und Besucher an – vergangene Ausgaben verzeichneten Besucherzahlen von über 150.000 allein am Eröffnungswochenende.
Die 40. Ausgabe des Festivals fand vom 23. Juli bis zum 2. August 2026 statt. Das offizielle Programm umfasste 22 Aufführungen an insgesamt 11 Abenden, verteilt auf zwei Hauptbühnen: das Südtheater und das Nordtheater. Darüber hinaus bespielten Künstlerinnen und Künstler weitere historische Plätze innerhalb der Ruinenstadt – darunter die Artemis-Plaza und das berühmte Ovale Forum. Concerts, Theatervorstellungen, Folklore-Darbietungen, Poesie-Lesungen, Familienunterhaltung, eine PHOENIX-Feuer-und-Licht-Show sowie Ausstellungen von traditionellem Handwerk füllten das Programm.
Wer sämtliche Abende erleben wollte, konnte zwischen einem Gold- und einem Silver-Festival-Pass wählen, wobei der Silver-Pass zu einem Einstiegspreis von 300 Jordanischen Dinar (JOD) erhältlich war und Zugang zu allen 22 Darbietungen an beiden Spielstätten beinhaltete. Einzeltickets für ausgewählte Abende waren über das offizielle jordanische Buchungsportal eTathkara verfügbar.
Wo liegt Jerash – und warum ist es so besonders?
Jerash, das antike Gerasa, liegt im Norden Jordaniens, rund 40 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Amman. Die Stadt ist die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements und beherbergt eine der am besten erhaltenen Greco-Römischen Stadtanlagen der Welt. Die Ausgrabungen begannen bereits in den 1920er-Jahren und legten ein einzigartiges Ensemble frei: ein imposantes Ovales Forum, umgeben von einer Kolonnadenreihe, eine kilometerlange Säulenstraße (Cardo Maximus), zwei Amphitheater, ein Hippodrom, mehrere Tempel, Thermen und den berühmten Hadriansbogen.
Der Hadriansbogen wurde errichtet, um Kaiser Hadrians Besuch in der Stadt zu gedenken, und ist bis heute beeindruckend gut erhalten – mit korinthischen Säulen und filigranen Steinschnitzereien, die Besucher aus aller Welt in den Bann ziehen. Das Südtheater bietet Platz für rund 3.000 Zuschauer und dient während des Festivals als Hauptspielstätte für die großen Konzertabende.
Jerash und die UNESCO: Ein langer Weg zur Anerkennung
Trotz seiner herausragenden Bedeutung trägt Jerash noch keinen UNESCO-Welterbe-Titel – und das, obwohl Jordanien mehrfach versucht hat, die Stadt auf die offizielle Liste zu bringen. Bereits 1985 wurde Jerash das erste Mal bei der UNESCO eingereicht. Damals lobte die Organisation den Standort ausdrücklich, forderte aber einen besseren Managementplan sowie Verbesserungen bei den Restaurierungsstandards. Jordan reichte 1986 erneut ein, doch auch diesmal reichten die Antworten nicht aus.
Seit 2004 steht die „Jerash Archaeological City (Ancient Meeting Place of East and West)“ auf Jordaniens UNESCO-Tentativliste – also der offiziellen Vorschlagsliste für künftige Nominierungen. Eine erneute formelle Bewerbung steht aus. Experten und Reisende sind sich einig: Jerash erfüllt faktisch alle relevanten Kriterien für eine Aufnahme. Die fehlende Welterbe-Plakette ändert aber nichts daran, dass die Stadt zu den archäologisch bedeutendsten Reisezielen des Nahen Ostens zählt.
Ein direkter Vergleich zu Jordaniens frischem UNESCO-Erfolg drängt sich auf: Am 25. Juli 2026 – mitten in den Festivaltagen von Jerash – hat das UNESCO-Welterbekomitee während seiner 48. Sitzung im südkoreanischen Busan das Aqaba Marine Reserve offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Damit hat Jordanien nun zwei UNESCO-Welterbestätten: Petra (Kulturerbe, seit 1985) und das Aqaba Marine Reserve (Naturerbe, seit Juli 2026). Für Jerash bleibt die Hoffnung auf eine baldige Nominierung lebendig.
Jerash als Pflichtstation auf der Jordanien-Rundreise
Für alle, die Jordanien auf einer klassischen Rundreise entdecken wollen, ist Jerash ein unverzichtbarer Stopp. Die Stadt liegt ideal zwischen Amman und der syrischen Grenze und lässt sich problemlos als Tagesausflug von der Hauptstadt aus erkunden. Typische 6- bis 8-tägige Rundreiseprogramme verbinden Amman, Jerash, Petra, Wadi Rum und das Tote Meer zu einer kompakten, kontrastreichen Reise durch Geschichte, Wüste und Wellness.
Wer Jerash während des Festivals besucht, erlebt die Ruinen in einem einzigartigen Licht: Die Kolonnaden und Amphitheater werden abends dramatisch angestrahlt, jordanische, arabische und internationale Künstlerinnen und Künstler bespielen die steinernen Bühnen – eine Atmosphäre, die zwischen lebendigem Kulturgenuss und zeitlosem Staunen über die antike Baukunst oszilliert.
Auf der Highlights-Seite von jordanien.info finden Sie alle wichtigen Sehenswürdigkeiten des Königreichs im Überblick. Wer sich für die konkrete Reiseplanung interessiert – von Visum bis Einreise –, ist dort ebenfalls bestens informiert.
Praktische Hinweise für einen Jerash-Besuch während des Festivals
- Anreise: Jerash liegt ca. 40 km nördlich von Amman; die Fahrt per Taxi oder Mietwagen dauert rund 45–60 Minuten.
- Beste Tageszeit: Tagseitig empfiehlt sich ein Besuch am frühen Vormittag, um die Ruinen in Ruhe zu erkunden, bevor Gruppen eintreffen. Abends beginnen die Festivalaufführungen meist gegen 19:30–21:30 Uhr.
- Tickets: Einzeltickets und Festival-Pässe sind über das offizielle Portal eTathkara buchbar; von Käufen bei inoffiziellen Anbietern oder in sozialen Medien ist abzuraten.
- Kleidung: Auch im Hochsommer können die Abende bei Open-Air-Veranstaltungen kühl werden – eine leichte Jacke ist empfehlenswert.
- Jordan Pass: Der Jordan Pass deckt den Eintritt zu den wichtigsten Attraktionen ab und ist für Individualreisende besonders lohnenswert.
- Kombination mit Ajloun: Nur rund 20 Kilometer entfernt liegt das Ajloun Castle, das sich ideal mit einem Jerash-Besuch verbinden lässt.
- Sicherheit: Jordanien gilt als eines der stabilsten Reiseländer der Region. Aktuelle Informationen zur Lage finden Sie auf der Sicherheitsseite von jordanien.info.
Jordaniens Tourismus 2026: Erholung und neue Attraktionen
Das Festival-Jubiläum in Jerash fällt in ein Jahr, in dem Jordaniens Tourismus eine bemerkenswerte Erholung erlebt. Die Branche profitiert von erweiterten internationalen Flugrouten, gestiegenem Reisevertrauen und der anhaltenden Faszination für das kulturelle und natürliche Erbe des Königreichs. Analysten betrachten den Rückgang der Besucherzahlen 2024 zunehmend als vorübergehend, da keine direkte Auswirkung auf die Tourismusinfrastruktur oder die Sicherheit der Reisenden eingetreten ist. Der frische UNESCO-Titel für das Aqaba Marine Reserve gibt dem Jordanien-Tourismus zusätzlichen Schub – und macht Rundreisen durch das Königreich noch attraktiver, weil sie nun offiziell zwei Welterbestätten verbinden.
Mehr über Jordaniens antike Städte und ihre Geschichten erfahren Sie auf den Seiten zu Städten und Regionen sowie in der Geschichtsrubrik von jordanien.info.
Häufige Fragen zum Jerash Festival und zur Rundreise
Wann findet das Jerash Festival statt?
Das Jerash Festival für Kultur und Künste findet jedes Jahr Ende Juli bis Anfang August statt. Die 40. Ausgabe lief vom 23. Juli bis zum 2. August 2026 und umfasste 22 Aufführungen an 11 Festivalabenden in der antiken Römerstadt.
Ist Jerash ein UNESCO-Welterbe?
Nein, noch nicht. Jerash steht seit 2004 auf Jordaniens offizieller UNESCO-Tentativliste unter dem Namen „Jerash Archaeological City (Ancient Meeting Place of East and West)“. Eine formelle Nominierung für die Welterbeliste steht noch aus. Petra und das Aqaba Marine Reserve (seit Juli 2026) sind Jordaniens bisherige Welterbestätten.
Wie komme ich von Amman nach Jerash?
Die schnellste Verbindung von Amman nach Jerash ist per Taxi oder Mietwagen – die Strecke beträgt rund 40 Kilometer und dauert je nach Verkehr 45 bis 60 Minuten. Es gibt auch öffentliche Minibusse vom Abdali-Busbahnhof in Amman, die allerdings etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Lohnt sich Jerash auch außerhalb des Festivals?
Absolut. Das archäologische Gelände ist das ganze Jahr über geöffnet und zählt zu den besterhaltenen Greco-Römischen Städten der Welt. Außerhalb des Festivals lassen sich die Ruinen in aller Ruhe und oft ohne größere Menschenmassen erkunden – ideal für Fotografinnen und Fotografen sowie Geschichtsinteressierte.
Welche anderen Attraktionen liegen in der Nähe von Jerash?
In unmittelbarer Nähe befinden sich das Ajloun Castle (ca. 20 km), die antike Dekapolis-Stadt Umm Qais sowie das Biosphärenreservat Ajloun Forest. Gemeinsam mit Jerash lassen sich diese Ziele hervorragend zu einer Nordschleife innerhalb einer klassischen Jordanien-Rundreise verbinden.
Brauche ich für Jordanien ein Visum?
Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsbürgerinnen und -bürger erhalten ein Visum on arrival oder können den Jordan Pass erwerben, der das Visum sowie den Eintritt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten bündelt. Alle Details finden Sie auf der Visum- und Jordan-Pass-Seite von jordanien.info.